Prorussischer Blogger in Cherson mutmaßlich vom ukrainischen Geheimdienst erschossen  — RT DE

20 Apr. 2022 22:04 Uhr

In der seit Anfang März von der russischen Armee kontrollierten Stadt Cherson wurde am Morgen des 20. April der prorussische Blogger und Aktivist Waleri Kuleschow mit mehreren Schüssen auf sein Auto getötet. Die Ermittlungen stehen erst am Anfang, doch einiges spricht für die Hypothese, dass es die Tat ukrainischer Kräfte war.

Am Mittwochmorgen gegen 8:15 Uhr Ortszeit haben Unbekannte den prorussischen Blogger und freiwilligen Helfer Waleri Kuleschow in seinem Auto im Hof seines Hauses in Cherson erschossen.

Die südukrainische Stadt Cherson wird seit Anfang März vom russischen Militär kontrolliert. Kuleschow hatte sich offen auf die Seite Russlands gestellt und in einem Blog über das Leben in Cherson und die Organisation humanitärer Hilfe berichtet.

Auf dem youtube-Kanal „Unser Cherson“, den Kuleschow zusammen mit anderen Bloggern betrieb, wurde sein letztes Video veröffentlicht. In den Kommentaren haben bis zum Abend Hunderte Ukrainer und Russen aus allen Landesteilen Kondolenzen hinterlassen.

Die Polizei ermittelt nach Angaben der Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit der russischen Militärpolizei in alle Richtungen. Am wahrscheinlichsten gilt jedoch die Hypothese, dass es die Tat einer ukrainischen Diversionsgruppe oder von proukrainischen Terroristen ist, die sich im Untergrund bewegen. 

„Der Berater des Innenministers Geraschtschenko hat bestätigt, dass der Blogger in Cherson von den ukrainischen Sonderdiensten getötet wurde. Aber das ist in Ordnung, es ist ein guter demokratischer Mord.“

The adviser to the Minister of the Ministry of Internal Affairs Gerashchenko confirmed that the blogger in Kherson was killed by the Ukrainian special services. But it’s okay, it’s a good democracy murder.

— Анатолий Шарий (@anatoliisharii) April 20, 2022

Das ist nunmehr der zweite Mord an einem prorussischen Prominenten in der Stadt, RT DE hatte berichtet. Damals war die Verwaltung noch weitgehend den ukrainischen Organen überlassen. Seitdem hat sich einiges verändert: Es wurden in vielen Städten und Gemeinden der Region Cherson sogenannte militärisch-zivile Verwaltungen gebildet. Außerdem werden intensiv die Listen der freiwilligen Territorialverteidigungen und rechtsextremer Organisationen in der Stadt abgearbeitet. Offensichtlich ist dies aber noch nicht genug, um den friedlichen Bürgern von Cherson Ruhe und Sicherheit zu garantieren.

Die ukrainische Seite rächt sich zielgerichtet an allen, die mit der russischen Seite zusammenarbeiten. So wurde am 2. März war Wladimir Struk, der Bürgermeister der Stadt Kremeinna in der Region Lugansk für die Bereitschaft der Zusammenarbeit mit Russland vor laufender Kamera erschossen. Sein Vergehen bestand darin, seine Kollegen zu Verhandlungen mit dem Donbass-Militär aufzurufen. Er wurde abgeholt, gefoltert und erschossen, und Anton Geraschtschenko, Berater des Innenministeriums, feierte diesen Mord mit der Bemerkung „ein Verräter weniger in der Ukraine“.

In der zweiten Märzhälfte entführte der ukrainische Sicherheitsdienst SBU die Tochter des Bürgermeisters der von der russischen Armee besetzten Stadt Kupjansk in der Region Charkow, Gennadij Mazegor. Ihm wird ebenfalls „Kollaboration mit dem Besatzer“ vorgeworfen. Die 20-jährige Studentin hielt sich in der Westukraine auf, als sie entführt wurde. Nach den Worten von Mazegor in einer emotionalen Videoansprache an Selenskij wird er damit bedroht, dass die Tochter umgebracht werden soll.

Soweit die Opfer des im Westen sogenannten „Massakers von Butscha“ bis jetzt überhaupt namentlich bekannt wurden, handelt es sich um Personen, bei denen man prorussische Ansichten vermuten kann. So gehört zu den Todesopfern der offen prorussische Politiker Alexander Rschawskij. Die prorussischen Ansichten zeigte der ehemalige Rada-Abgeordnete bis zuletzt. Warum das russische Militär ausgerechnet ihn erschießen sollte, liegt im Dunkeln. 

Die Ortsvorsteherin des Dorfes Butscha, Olga Suchenko, hatte bis zu ihrem Verschwinden Ende März 2022 mit den russischen Truppen zumindest in humanitären Fragen zusammengearbeitet. Nach Aussagen der Dorfbewohner hatte sie sich vor Einzug des russischen Militärs geweigert, den Ort zu verlassen, weil sie ihre Amtspflichten im Interesse der Dorfbewohner fortführen wollte. Die Dorfbewohner beschrieben auch eine energische Aktivität der Ortsvorsteherin bei der Lösung von Versorgungsfragen. Dass dies in der Zeit bis zum Abzug des russischen Militärs nur durch Zusammenarbeit mit letzterem möglich war, liegt in der Natur der Sache.

Von den im März in Kiew und anderen Städten der Ukraine verschwundenen oppositionellen Politikern, Journalisten und Prominenten, fehlt bis auf wenige Ausnahmen nach wie vor jedes Lebenszeichen.            

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