Affenpocken breiten sich aus: Fälle in Europa und den USA registriert

In den europäischen Medien wird dynamisiert über die steigende Zahl von sogenannten Affenpocken-Infektionsfällen berichtet, die bis dato mehrheitlich bei jungen Männern diagnostiziert wurden. Nach jüngsten Zahlen wurden bislang in Portugal fünf Fälle, in Spanien acht Fälle und in England neun infizierte Personen bestätigt. Zudem ist ein Fall in den USA gemeldet worden. Die Gesundheitsbehörden im kanadischen Quebec untersuchen aktuell „mehr als ein Dutzend Verdachtsfälle von Affenpocken“, wie der öffentliche Fernsehsender CBC am 18. Mai meldete

Der erste Fall wurde von der UK Health Security Agency (UKHSA) demnach am 7. Mai gemeldet. Die Symptome traten bei dem Verdachtsfall nach der Rückkehr von einer Nigeria-Reise auf. Am 14. Mai 2022 wurden zwei weitere Fälle im Vereinigten Königreich identifiziert. Beide lebten im selben Haushalt, hatten aber keine Reisevorgeschichte und auch keinen Kontakt zu dem am 7. Mai gemeldeten Fall, so Informationen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC).

Das portugiesische Gesundheitsministerium bestätigte, dass zudem „mehr als 20 Verdachtsfälle“ aktuell beobachtet würden. Die Portugiesen, bei denen die Pocken diagnostiziert wurden, klagten über Hautläsionen, jedoch keine weiteren ernsthaften Beschwerden. Bei den Betroffenen handelt es sich demnach um Männer, die „in der Region Lissabon und im Tejo-Tal leben“, so die Zeitung O Globo. 

Nach Angaben der United Kingdom Health Security Agency (UKHSA) ist die Krankheit selten, und die Infizierten sind in der Regel innerhalb weniger Wochen geheilt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergänzt, dass sich alle Betroffenen in Großbritannien mit der westafrikanischen Variante des Virus angesteckt hätten, die „mild verläuft und bei den meisten Betroffenen ohne Behandlung wieder verschwindet.“

Die europäischen Länder haben jedoch mit der Überwachung möglicher Ausbrüche begonnen, seit die britische Agentur am 7. Mai den ersten Fall des auf dem Kontinent nicht verbreiteten Virus festgestellt hatte.

Die ECDC informiert auf ihrer Seite zu dem Phänomen Affenpocken (auf Englisch: Monkeypox):

Affenpocken sind eine Viruserkrankung. Die Übertragung auf den Menschen kann durch Kontakt mit einem infizierten Tier oder Menschen oder mit menschlichem Körpermaterial, das das Virus enthält, erfolgen.
Die Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt meist durch große Tröpfchen aus der Atemluft. Da sich die Tröpfchen nicht weit fortbewegen können, ist ein längerer Kontakt von Angesicht zu Angesicht erforderlich.
Das Virus kann auch durch Körperflüssigkeiten, Läsionsmaterial oder indirekten Kontakt mit Läsionsmaterial in den Körper gelangen.

Zu den Symptomen gehören demnach „Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen, geschwollene Lymphknoten, Schüttelfrost und Abgeschlagenheit“. Typischerweise entwickelt sich ein Ausschlag. Dieser beginnt oft im Gesicht und breitet sich dann auf andere Körperteile aus, auch auf die Genitalien.

Dr. Susan Hopkins, leitende medizinische Beraterin des UKHSA, appelliert auf der Webseite an die erkannte Risikogruppe:

„Wir fordern insbesondere schwule und bisexuelle Männer auf, auf ungewöhnliche Ausschläge oder Läsionen zu achten und sich unverzüglich an einen Dienst für sexuelle Gesundheit zu wenden, wenn sie Bedenken haben. Bitte kontaktieren Sie die Kliniken vor Ihrem Besuch.“

Die Informationen des in Berlin ansässigen Robert-Koch-Instituts (RKI) lauten in einer Mitteilung vom 19. Mai, dass in Nigeria seit 2017 vermehrt Affenpockeninfektionen beim Menschen diagnostiziert, „und reiseassoziierte Infektionen bei Nigeria-Rückkehrenden vor allem im Vereinigten Königreich“ festgestellt wurden. Affenpocken sollten auch dann bei unklaren pockenähnlichen Hautveränderungen als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden, wenn die Betroffenen nicht in bestimmte Gebiete gereist seien. Dies gelte für behandelnde Ärzte wie Betroffene. 

Die Affenpocken wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstmals 1970 in Afrika bei Menschen registriert. Sie seien seitdem nachweislich in über zehn Ländern des Kontinents aufgetreten. Die Erreger können von verschiedenen Tierarten übertragen werden. Die Viren sind laut WHO vereinzelt durch Reisende exportiert worden, unter anderen in die USA, nach Israel und auch schon 2018 nach Großbritannien.

Behandeln lässt sich die Infektion mit dem seit Januar 2022 auch in der Europäischen Union zugelassenen antiviralen Wirkstoff Tecovirimat (Tecovirimat SIGA) von der US-Firma Siga Technologies, der neben Affenpocken auch gegen Pocken und Kuhpocken eingesetzt werden kann. 

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