Weißrussland überholt erstmals Deutschland bei Exporten nach Russland

Die wirtschaftlichen Beziehungen Russlands zu seinen europäischen Partnern sind in vielen Bereichen beinahe eingestellt und Weißrussland profitiert davon. Das Land lieferte im April erstmals in der Geschichte mehr Waren nach Russland als nach Deutschland. Das geht aus einem Bericht von Bloomberg hervor. Demnach stiegen die weißrussischen Exporte wertmäßig um mehr als 100 Prozent. Dabei sei Deutschlands Bruttoinlandsprodukt (BIP) rund 60-mal höher als das Weißrusslands. Laut Statista betrug das BIP Deutschlands im Vorjahr rund 3,57 Billionen Euro, in Weißrussland liegt dieser Wert bei rund 68,2 Milliarden US-Dollar.

Allgemein gingen die Lieferungen von Russlands Handelspartnern, die im Jahr 2021 fast die Hälfte der gesamten Importmenge ausgemacht hatten, in diesem April gegenüber dem Vorjahr um rund 40 Prozent zurück. Selbst China reduzierte seine Lieferungen, obwohl sich das asiatische Land den antirussischen Sanktionen nicht angeschlossen hatte. Im Januar 2022 wurden die Exporte aus China auf 7,4 Milliarden US-Dollar geschätzt und Ende April nur noch auf 3,7 Milliarden US-Dollar. Auch die Türkei, Japan und Südkorea lieferten laut dem Bericht weniger Waren nach Russland.

Russland stehe aufgrund der Sanktionen vor einem regelrechten „Importeinbruch“, der seine wirtschaftliche Entwicklung untergrabe, schreibt Bloomberg. Experten zufolge ist der Markt praktisch zusammengebrochen. Die Sanktionen, die die EU, die USA und andere Länder gegen Russland verhängt haben, umfassen sowohl ein Einfuhrverbot bestimmter russischer Waren als auch Ausfuhrbeschränkungen. Aufgrund der Unterbrechung von Lieferketten und Zahlungsschwierigkeiten ist aber auch der Erwerb nicht sanktionierter Waren problematisch.

Andrei Golubtschik, Professor an der Russischen Akademie für Außenhandel, zeigte sich im Gespräch mit dem Medienunternehmen leicht optimistisch. Ihm zufolge könnten Länder wie die Türkei beim Kauf ausländischer Waren zu Vermittlern werden. Außerdem gebe es bereits wieder Lieferungen über Iran. „In den vergangenen zweieinhalb Monaten sind die Marktteilnehmer aus ihrer Betäubung herausgekommen. Der erste Schock ist fast überwunden“, sagte der Experte.

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