In Donezk zum Tode verurteilter Söldner: "Zieh' nicht in einen Krieg, den du nicht verstehst"

Der Brite Shaun Pinner, sein Landsmann Aiden Aslin und der Marokkaner Saadun Brahim wurden für schuldig befunden, als Söldner am Versuch einer gewaltsamen Machtübernahme in der Volksrepublik Donezk teilgenommen zu haben. Außerdem wurden sie beschuldigt, eine Ausbildung absolviert zu haben, um terroristische Anschläge und Sabotageakte auf dem Gebiet des im Februar von Russland offiziell anerkannten Staates durchzuführen. Pinner und Brahim bekannten sich im erstgenannten Punkt für schuldig.

In einem exklusiven Interview an RT, das kurz vor der Urteilsverkündung geführt wurde, rief Sean Pinner alle potenziellen Söldner zum Eingestehen der Tatsache auf, dass sie vor Gericht kommen und – im schlimmsten Fall – zum Tode verurteilt werden. Falls dies geschehe, so Pinner, solle man sich auch nicht beschweren.

Dienst für Kiew – ein wohlgemeinter Fehler?

Pinner breitete aus, dass seine Entscheidung, dem ukrainischen Militär beizutreten, von mehreren Faktoren beeinflusst worden war. So wollte seine ukrainische Frau nicht nach Großbritannien ziehen und er selbst konnte in der Ukraine keine andere Arbeit finden, um seine Familie zu versorgen. Nach seinen immerhin neun Jahren im britischen Militär beschloss Pinner daher, einen Dreijahresvertrag mit den ukrainischen Streitkräften zu unterzeichnen. Dieser verschaffte ihm neben dem Wehrsold außerdem eine Niederlassungserlaubnis in der Ukraine. Als „ukrainischer Patriot“ hielt der Brite dies für eine gute Gelegenheit, „der Ukraine etwas zu geben und dafür natürlich auch etwas zurückzubekommen“.

Er verriet, dass das Standardgehalt eines sogenannten Freiwilligen unter Vertrag bei Dauereinsatz einem Betrag von 360 Britischen Pfund entspreche. Diese Summe könne für die Teilnahme an Kampfhandlungen auf rund 1.000 Pfund angehoben werden.

Laut Pinner lag der Schwerpunkt der von ihm durchlaufenen militärischen Ausbildung in der Ukraine hauptsächlich auf der Reinigung und Wartung militärischer Ausrüstung und weitaus weniger auf anderen militärisch relevanten Fertigkeiten.

Es gab außer ihm weitere Ausländer in seiner Einheit, verriet der Brite. Doch drei von ihnen seien im vergangenen Jahr desertiert und „einfach weggegangen“.

Der aktive Kampfdienst begann für Pinner erst im Dezember vergangenen Jahres und seit Februar sei er jeden Tag schließlich „voll dabei gewesen“.

Gefangenschaft: Späte Einsichten und Wünsche

Die Gefangenschaft und die Verhöre seien für Pinner „sehr, sehr hart“ gewesen. Ebenso wie die Einsamkeit und die „sehr beengten Bedingungen“. Während des Verhörs seien ihm schreckliche Fotos gezeigt worden, auf denen angeblich die Misshandlung russischer Kriegsgefangener durch ukrainische Kämpfer zu sehen gewesen seien. Den Gegensatz zwischen dieser Behandlung von Gefangenen und der, die er selbst erfuhr, unterstrich er selbst:

„Ich kann nicht wirklich meckern. Ich wurde nicht erschossen oder angeschossen und ich habe noch alle meine Gliedmaßen und Finger.“

Pinner äußerte die Hoffnung, dass er und andere Ausländer, die als Söldner angeklagt sind, ausgetauscht werden können.

Auf die Frage, was er nach Beendigung seines Vertrags mit dem ukrainischen Militär zu tun gedenke, antwortete Pinner, dass er und seine Familie beabsichtigten, nach England zu ziehen und dort „ein neues Leben zu beginnen“. Er offenbarte, überhaupt sei die in Gefangenschaft verbrachte Zeit in vielerlei Hinsicht eine augenöffnende Erfahrung für ihn gewesen. Eine seiner Einsichten lautete:

„Manche Menschen wollen eben zu Russland gehören, und das muss man akzeptieren.“

Außerdem erklärte er, dass nun, nachdem er das „Gesicht von Donezk“ gesehen habe, der Krieg für ihn vorbei sei – ganz gleich, was mit ihm geschehe. Auch verriet er einen Wunsch: Er würde gern „mehr über die Geschichte beider Seiten lernen“.

Dass diese Einsichten und Wünsche höchstwahrscheinlich zu spät kommen dürften, ahnte Sean Pinner anscheinend noch vor seiner Urteilsverkündung. Als wichtigste Einsicht spricht er eine Warnung an Möchtegern-Söldner und enthusiastische Freiwillige aus:

„Zieh‘ nicht in einen Krieg, den du nicht richtig verstehst.“

 Der Hintergrund

Sean Pinner und Aden Aislin wurden im April in Mariupol gefangen genommen, als Truppen Russlands und der DVR eine Brigade ukrainischer Marinesoldaten, der sie angehörten, abschnitten. Die britische Regierung forderte, dass sie als Kriegsgefangene im Sinne der Genfer Konventionen behandelt werden, obwohl das Vereinigte Königreich sich formal nicht im Krieg mit der Republik befindet. Die Volksrepublik Donezk wies jedoch darauf hin, dass die Konventionen nur für uniformierte Soldaten eines nationalen Militärs gelten, nicht aber für augenscheinlich ausländische Söldner.

Anfang dieses Monats veröffentlichte der russische Militärsprecher Generalleutnant Igor Konaschenkow Daten, denen zufolge die Zahl der ausländischen Kämpfer aller Art in der Ukraine, die er als „Söldner“ summierte, von 6.600 auf 3.500 zurückgegangen sei. Konaschenkow gab an, dass Hunderte von ausländischen Söldnern in der Ukraine durch russische Präzisionswaffen mit großer Reichweite vernichtet worden seien. Meist „kurz nach ihrer Ankunft an den Orten, an denen sie eine zusätzliche Ausbildung erhielten und an denen sie in die taktischen Einheiten eingeführt wurden“.

Doch die meisten Söldner, so der Sprecher, seien „aufgrund niedrigen Ausbildungsniveaus und Mangels an echter Kampferfahrung“ getötet worden.

Auch hätten gefangen genommene ausländische Kämpfer bei Verhören berichtet, die Kommandeure der ukrainischen Truppen würden sie im Zweifelsfall zuerst opfern, bevor sie den Tod ukrainischer Soldaten riskierten. Aus all den Gründen, so Konaschenkow, sei seit Anfang Mai „der Zustrom ausländischer Söldner in die Ukraine, die sich an Kampfhandlungen gegen die russischen Streitkräfte beteiligen wollen, praktisch versiegt.“

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