Mit Kriegspropaganda betrogen, von London und Kiew verraten — RT DE

Der britische Söldner Aiden Aslin, der im Donbass gefangen genommen wurde, hat seine späte Einsicht preisgegeben: Er sei erst der westlichen medialen Kriegspropaganda auf den Leim gegangen und dann ebenso von Kiew wie von London im Stich gelassen worden.

Der britische Staatsbürger Aiden Aslin hatte sich für den Kampf aufseiten der ukrainischen Streitkräfte in Mariupol als Freiwilliger bzw. Söldner verdingt, bevor er sich Mitte April ergab. Nun hat er in einem Interview mit RT sein Bedauern über die Entscheidung, für Kiew zu kämpfen, zum Ausdruck gebracht. Er sei zunächst durch die Propaganda betrogen worden, die ihn bewogen habe, aufseiten Kiews in den Krieg zu ziehen – und dann, nach seiner Gefangennahme, habe ihn sowohl die ukrainische als auch die britische Regierung im Stich gelassen.

Kurz nach dem Interview mit RT wurde Aslin zusammen mit seinem Landsmann Shaun Pinner und dem Marokkaner Saadoun Brahim von einem Gericht in Donezk zum Tode verurteilt. Alle drei wurden für schuldig befunden, als Söldner an einem Versuch der gewaltsamen Machtübernahme in der Volksrepublik Donezk teilgenommen zu haben. Außerdem wurden sie beschuldigt, eine Ausbildung absolviert zu haben, um terroristische Anschläge und Sabotageakte auf dem Gebiet des im Februar von Russland offiziell anerkannten Staates durchzuführen. Pinner und Brahim gestanden ihre Schuld im erstgenannten Punkt.

Durch mediale Kriegspropaganda von pro-Donbass zu pro-Kiew umgestimmt

Aiden Aslin behauptet, die westlichen Medien hätten eine wichtige Rolle dabei gespielt, ihn davon zu überzeugen, die Sache des Kiewer Regimes zu unterstützen – und ihn schließlich zu einer „Bauernfigur“ in einem politischen Spiel gemacht.

Er habe den Ukraine-Konflikt seit dessen Ausbruch im Jahr 2014 in Gänze verfolgt – und sei eigentlich „ursprünglich pro-russisch“ und „pro-Donbass“ gewesen. Er habe die Wiedervereinigung der Krim mit Russland unterstützt. Auch sei er davon überzeugt gewesen, dass die Menschen im Donbass ein Recht auf Unabhängigkeit haben. Dann aber habe im Jahr 2015 ein Söldnerkollege aus den Reihen der YPG auf ihn eingewirkt, sodass seine Meinung ins Gegenteil umschlug. Außerdem sei er der Propaganda in den westlichen Medien anheimgefallen, so Aslin sinngemäß:

„Meine Ansichten änderten sich, als ich anfing, Medienberichte und anderes Zeug zu sehen: Darin wurde im Grunde genommen gesagt, dass [im Donbass] nicht die Einheimischen, sondern die russischen Soldaten alles machen.“

Dabei habe der Brite nach eigenen Angaben auf eine Diversifizierung seiner Informationsquellen geachtet: Er schaue gewohnheitsmäßig sowohl CNN als auch BBC und Fox News (auch wenn alle drei ihm nicht gefallen) und nutze darüber hinaus weitere Medien. Gebracht hat das ihm aber offensichtlich nicht viel: Erst nachdem er sich der DVR-Volksmiliz ergeben hatte, stellte er fest, dass er mit seinen ehemaligen Gegnern, den Soldaten im Donbass, mehr gemeinsam hat als mit den kiewtreuen Truppen, an deren Seite er gekämpft hatte. Sein Fazit:

„Irgendwie wurde ich doch verarscht.“

Anzeichen dafür habe der Söldner aber auch schon zuvor vernommen – er selber habe sogar ideologisch motivierte Drohungen von Kämpfern des berüchtigten Asow-Bataillons erhalten, das für seine neonazistische Ideologie bekannt ist. Aslin hatte nach eigener Angabe das Narrativ der westlichen Mainstream-Medien übernommen, Asow habe sich seit seiner Eingliederung in die ukrainische Nationalgarde zum Besseren geändert. Doch bei näherem Kontakt habe er schließlich aus erster Hand erfahren:

„Die haben sich nicht sehr verändert.“

Der britische Staatsbürger hatte bekanntermaßen zuvor in Syrien auf Seiten der linksgerichteten kurdischen Miliz YPG gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS, früher ISIS) gekämpft. Als Andenken daran prangt ein YPG-Abzeichen als Tätowierung auf seinem Arm. Ein Asow-Kämpfer habe diese Tätowierung vor zwei Jahren gesehen und Aslin gesagt, er wolle sie ihm „herausschneiden“, so der Brite:

„Ich sagte ihm, dass ich politisch links eingestellt bin – und seine Einstellung änderte sich völlig.“

Nach diesem Zwischenfall habe das Asow-Regiment ihn „nicht mehr als Freund, sondern eher als Feind“ betrachtet.

„Ukraine: Armee mit Alkoholproblem, Artilleristen schlecht ausgebildet, Regierung korrupt“

Aslin zeigte sich ebenfalls skeptisch, was den Ausbildungsstand der ukrainischen Armee anbetrifft:

„Sie sind nicht so professionell, wie sie es gern wären.“

Vor allem die Ausbildung der ukrainischen Artilleristen sei „unterdurchschnittlich“ und lasse zu wünschen übrig. Ihnen sei gemäß den Worten des Briten durchaus zuzutrauen, auch ohne Absicht militärische Ziele zu verfehlen und stattdessen zum Beispiel zivile Infrastruktur zu treffen. Dies stehe im Gegensatz zu der faschistischen Terrormiliz Asow, deren Artilleristen auch absichtlich Zivilisten beschießen würden und so willentlich Kriegsverbrechen begingen. Und dann sei da noch der Suff:

„Ein weiterer Faktor, den man [im Falle der ukrainischen] Armee bedenken muss, ist der hohe Alkoholkonsum.“

Als einen Grund dafür deutete Aslin die Korruption der Regierung in Kiew an – und auch dafür, dass die friedliche Beilegung des Konflikts überhaupt erst scheiterte:

„Sie [die ukrainische Regierung] hätten den Krieg leicht beenden können. Sie hatten die Möglichkeit dazu, haben sich aber dagegen entschieden. Vor allem weil, wie ich glaube, Geld im Spiel war.“

Von Kiew im Stich gelassen

Der Brite fühlt sich nun sowohl von Kiew als auch von London im Stich gelassen. So seien all seine Versuche, die ukrainische Seite aus der Gefangenschaft heraus zu kontaktieren, erfolglos geblieben, sagte der ehemalige Kämpfer. Der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij habe Aslins Fall „nicht ein einziges Mal“ erwähnt, seit sich der Brite ergeben habe. In der Zwischenzeit speisten britische Beamte, die er und seine Anwälte kontaktiert haben, ihn lediglich immer wieder damit ab, dass der britische Staatsbürger Aslin „von höchster Priorität“ sei… und zwar für die Ukraine! Doch:

„Ich muss die ukrainische Regierung fragen: ‚Wenn ihr uns, wie ihr sagt, als Helden betrachtet – warum tut ihr dann so, als würden wir nicht existieren?'“

„Wünschte, ich hätte alles anders gemacht“

Rückblickend gesteht der Brite – wie auch sein Landsmann Shaun Pinner – ein, er hätte die ukrainischen Streitkräfte meiden und sich stattdessen Arbeit im zivilen Leben suchen sollen:

„Ich wünschte, ich hätte alles anders gemacht und mich nicht für die Rolle einer politischen Bauernfigur beim Militär entschieden.“

Er forderte andere Ausländer auf, die mit dem Gedanken spielen, sich der Sache Kiews anzuschließen, sich nicht

„mit Betrug in einen Krieg hineinziehen zu lassen, in dem ihr nicht mitkämpfen solltet.“

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