Darf Uwe Steimle noch im Kabarett auftreten? Neue Provinzposse in Halle an der Saale — RT DE

Frei zu reden, wird in Deutschland immer schwieriger. Jeder, der noch die relativ offene Diskussionskultur der 90er Jahre in Erinnerung hat, kann über die sich immer stärker ausbreitende Unkultur des „Cancelns“ und Verbietens, der Dauerempörung und öffentlichen Hetzjagden nur den Kopf schütteln.

Von Anton Gentzen

In „Kulturmetropolen“ wie Berlin, Leipzig und Dresden sind Diffamierungskampagnen gegen prominente und weniger prominente Andersdenkende, die auf deren Auftritts- und Berufsverbot abzielen, längst Alltag. In Provinzstädten wie dem auf etwas über 200.000 Einwohner geschrumpften Halle in Sachsen-Anhalt hatten sie bislang eher Seltenheitswert. Umso enthusiastischer wird dort derzeit eine mediale Hetzkampagne gegen den bekannten und in Ostdeutschland beliebten Kabarettisten Uwe Steimle betrieben. 

Steimle soll am 17. Juni einen Gastauftritt im Hallenser Steintor-Varieté wahrnehmen. Nun will dies die selbsternannte „Zivilgesellschaft“ der Stadt, bestehend aus sogenannter „Antifa“ und den Provinzmedien, verhindern: Seit etwa einer Woche läuft eine gut orchestrierte Empörungswelle durch die sozialen Netzwerke und die Kommentarspalten.

Die Stimmführerschaft in dem Protest hat das Bündnis „Halle gegen Rechts“ übernommen und verlangt vom Theater-Chef Rudenz Schramm, die Veranstaltung, die wegen der Pandemie-Maßnahmen bereits zweimal verschoben werden musste, endgültig abzusagen. Die Sprecherin des Antifa-Bündnisses, Katharina Hindelang, sagte zur Begründung: „Dafür können Demokratinnen und Demokraten keine Bühne bieten.“

In der regional führenden Mitteldeutschen Zeitung erhält das Bündnis breiten Raum für seine Angriffe gegen Steimle. 

Auch kleinere regionale Medien sehen in dem Protest eine Chance, sich zu profilieren. So verbreitete die Online-Plattform Du bist Halle (nach eigenen Angaben „fünf Hallenser, darunter zwei Zugezogene“) einen längeren Artikel, in dem Steimle hart angegriffen wird. Darin werden Steimle „antisemitische, rassistische und verschwörungsideologische Aussagen“ vorgeworfen. Konkretisierung? Fehlanzeige. 

Wo es konkreter wird, offenbart sich das erstaunlich dünnhäutige Toleranzverständnis der Dauerempörten. Steimle verbreite diesen zufolge „seit Langem extrem rechte Verschwörungserzählungen, wenn er etwa eine amerikanische Besatzung der Bundesrepublik behauptet“:

„Deutschland sei ein ‚besetztes Land‘, eine ‚Scheindemokratie‘, ‚habe keine eigene Politik‘ – Verschwörungserzählungen, wie sie von Reichsbürgern, Souveränisten und Neonazis verbreitet werden.“

Dass der Antiamerikanismus eigentlich eine traditionell linke Einstellung ist und dies auch bleibt, solange die USA einen „Führungsanspruch“ in der Welt erheben; dass ein Gregor Gysi noch vor wenigen Jahren öffentlich an der vollen Souveränität der deutschen Politik zweifelte, scheint dabei vergessen. 

Für kabarettistische Zuspitzungen hat die kleingeistige Empörungsgemeinschaft ohnehin weder die Geduld noch das Verständnis: 

 „Gewählte Abgeordnete bezeichnet er als ‚Arbeitsscheues Gesindel‘ und sagt, die müssen alle weg.“

Unerträglich wird es aber für die Hobby-Journalisten, wenn Journalisten selbst ins kabarettistische Visier geraten: 

„Medien beschreibt Steimle als gesteuert und behauptet ‚Es gibt keine Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik Deutschland‘, eine ZDF-Journalistin beleidigte er als ‚Besatzungsmoderatorin‘.“

„Ja, und?“, möchte man dem Verfasser zurufen? All das sind zulässige Aussagen, nicht nur im politischen Kabarett, dort aber auf jeden Fall. Doch den Humorlosen ist ihre Empörung bitterernst und sie werden in ihrem totalitären Wahn auch kaum verstehen, warum jemand, der den relativ freien und unaufgeregten Diskurs der 1990er und 2000er Jahre in Erinnerung hat, für ihre Tabus nicht das geringste Verständnis aufbringen kann. 

Der Geschäftsführer des Steintor-Varietés ist selbst Mitglied von DIE LINKE und Abgeordneter der linken Stadtratsfraktion in Halle. Er hält bislang an dem Engagement Steimles fest, doch fällt ihm dabei ausgerechnet die eigene Partei und Fraktion in den Rücken. Schramm sieht keinen Grund, Steimles Auftritt abzusagen:

„Ich muss ja nicht persönlich hinter jeder Aussage stehen, die ein Künstler macht, der auf unserer Bühne steht.“

Steimle trete in vielen Städten Deutschlands auf und sei auch in der Vergangenheit schon Gast in seinem Theater gewesen, sagte er der MZ. Ob Steimle gefalle oder nicht, müsse jeder für sich entscheiden.

Dem kann man nur zustimmen. Die Wahrheit braucht keine Verbote, um sich auf lange Sicht durchzusetzen. Verbote und Zensur sind immer das Mittel der Lüge. Und wer im Namen der Wahrheit Zensur und Verbote fordert, erweist ihr einen Bärendienst.

Mehr zum Thema – Der Staatsfunk und die Grenzen des Sagbaren: Der MDR feuert Uwe Steimle

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