Wachstumsvorhersagen nach unten korrigiert – die Inflation steigt weiter

Drei deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsvorhersagen nach unten korrigiert. Das Münchner Ifo-Institut änderte die Prognose von 3,1 auf 2,5 Prozent Wachstum, das Essener RWI rechnet statt mit 2,5 Prozent nur noch mit 1,9 Prozent. Dennoch soll das Niveau vor dem Corona-Einbruch noch im Laufe dieses Sommers wieder erreicht werden.

Die privaten Haushalte, so die Überzeugung des Ifo, hätten in zwei Jahren Corona Ersparnisse aufgehäuft, die nun in den Konsum fließen könnten. Die Zahl der Arbeitslosen soll sogar zurückgehen.

Risiken liegen allerdings sowohl in der hohen Inflation als auch in den möglichen Maßnahmen der EZB. Beides, die Preissteigerungen wie deren eventuelle Bekämpfung durch die europäische Zinspolitik, könnten die Wirtschaftsentwicklung weiter dämpfen.

Die Einkommen jedenfalls steigen nicht im Takt mit der Inflation. Der gerade erfolgte Tarifabschluss der IG Metall um 6,5 Prozent zuzüglich einer Einmalzahlung von 500 Euro wirkt auch nur so lange wie ein Inflationsausgleich, solange man die Laufzeit von 18 Monaten übersieht, die das Ergebnis wieder nach unten korrigiert. Die Tarifkommission muss diesem Ergebnis noch zustimmen.

Die Schätzungen für die Inflationsrate des Jahres 2022 liegen zwischen 6,8 und 7,4 Prozent, was einen Rückgang in der zweiten Jahreshälfte voraussetzt. Im Mai lag die Inflationsrate gemessen am Vorjahresmonat bei 7,9 Prozent. Selbst ohne den gesamten Sektor Energie lag die Kerninflation noch bei 4,5 Prozent.

Vor der offiziellen Inflationsrate bei den Preisen für Endabnehmer liegen allerdings noch die Erzeugerpreise, die im Falle der landwirtschaftlichen Produkte eine ganz andere Entwicklung zeigen. In der Gesamtmenge der landwirtschaftlichen Produkte stiegen die Erzeugerpreise im April 2022 im Vergleich zum April 2021 um 39,9 Prozent. Das ist der höchste Anstieg seit Beginn der Aufzeichnungen in der Bundesrepublik. Die höchste bisherige Steigerung gab es im Frühjahr 2011 mit 27 Prozent im Jahresvergleich.

Mit Ausnahme des Gemüses zeigten sich diese Preissteigerungen auf breiter Front: Getreide verteuerte sich um 77,6 Prozent, Kartoffeln um 106,2 Prozent, Raps wegen des Ölmangels um 77,1 Prozent, Milch um 37 Prozent und Eier im Vergleich um geradezu bescheidene 18 Prozent. Auch beim Fleisch stiegen die Preise, von 27 Prozent für Geflügel bis zu 48,5 Prozent für Rind.

Bisher scheint also ein Rückgang der Inflation in den kommenden Monaten eher unwahrscheinlich. Infolgedessen dürften die Prognosen noch weitere Korrekturen erfahren.

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