Philip Morris hat Schwierigkeiten beim Verkauf seiner Aktiva in Russland — RT DE

Erhebliche Verluste, komplizierte Verfahren und das Damoklesschwert der Sanktionen: Dem Konzern Philip Morris gelingt es nicht, seine Aktiva in Russland zu verkaufen. Es ist jedoch nicht das einzige Unternehmen, dem der Rückzug aus dem russischen Markt zu schaffen macht.

„Es ist so verdammt schwierig, das ist wirklich verrückt“, erklärte Jacek Olczak, der Geschäftsführer des Zigarettenherstellers Philip Morris, über den Rückzug des Konzerns aus dem russischen Markt. Seit mehreren Monaten versuche das Unternehmen seine Aktiva in Russland zu verkaufen, um das Land zu verlassen, erzählte er in einem Interview mit der US-Tageszeitung The Wall Street Journal.

Wie die US-Zeitung am 21. Juni schreibt, hat die russische Militäroperation in der Ukraine „eine Lawine westlicher Sanktionen ausgelöst“. Viele Unternehmen hätten daraufhin „zugesagt, sich aus Russland zurückzuziehen“ oder ihre „Aktivitäten dort zu reduzieren“. Einige Firmen ohne Fabriken im Land haben ihre Lieferungen nach Russland eingestellt, so zum Beispiel das Technologieunternehmen Apple. Für andere wiederum gestalte sich die Situation dramatisch wie für den Konzern Philip Morris, der in Russland unter anderem die Marke „Marlboro“ führt.

Laut der Zeitung gehört der Tabakkonzern Philip Morris zu den westlichen Firmen, die in Russland eine sehr lange Geschichte haben. Das Unternehmen kam im Jahr 1977 in die Sowjetunion, nachdem es eine Vereinbarung mit der staatlichen Industrie unterzeichnet hatte. Heute verfüge Philip Morris über eine Fabrik in Sankt Petersburg und Vertriebsbüros in rund 100 Städten Russlands.

„Russland war ein guter Markt“, sagte der Finanzchef des Unternehmens Emmanuel Babeau bei einer Konferenz im Mai. „Es ist ein Wachstumsmarkt“, fügte er hinzu.

Wie The Wall Street Journal schreibt, entfielen im Jahr 2021 auf Russland fast 10 Prozent der weltweiten Zigaretten- und Tabaklieferungen des Unternehmens und etwa 6 Prozent der Nettoeinnahmen von 31,4 Milliarden US-Dollar (rund 29,8 Milliarden Euro). Die Aktiva der russischen Niederlassung beliefen sich Ende März auf rund 1,4 Milliarden US-Dollar (rund 1,3 Milliarden Euro). Zu Beginn dieses Jahres habe das Unternehmen mehr als 3.200 Mitarbeiter in Russland beschäftigt.

Nun bemüht sich der Konzern, seine russische Aktiva zu verkaufen – was sich als nahezu unmöglich erweist. Anfangs war nicht klar, welche Behörde in Russland „einen solchen Verkauf genehmigen würde oder wie das Verfahren zur Einholung dieser Genehmigung aussehen würde“, zitiert die Zeitung Unternehmenschef Olczak. Fast drei Monate später versuche das Tabakunternehmen immer noch, das Problem zu lösen.

Philip Morris sei nicht das einzige Unternehmen, das mit solchen Schwierigkeiten zu kämpfen habe, so die Zeitung. Als problematisch habe sich der Rückzug aus dem russischen Markt auch für den US-Braukonzern Anheuser-Busch erwiesen, der in Russland Eigentümer und Vertrieb der Marke Budweiser ist.

The Wall Street Journal gibt noch weitere Beispiele dafür:

„Die französische Bank Société Générale verkaufte ihre Geschäfte an den russischen Oligarchen Wladimir Potanin, der weder von den USA noch von der EU sanktioniert wurde, und musste dafür einen Gewinnrückgang von mehr als drei Milliarden US-Dollar hinnehmen.“

„Der französische Automobilhersteller Renault gab seine 68-prozentige Beteiligung an dem russischen Automobilhersteller AwtoWAS für einen Rubel und eine sechsjährige Rückkaufoption an eine staatlich geförderte Einrichtung ab. Renault hatte Milliarden von Euro in Russland investiert und hielt dort im vergangenen Jahr einen Marktanteil von fast 30 Prozent. Außerdem beschäftigte das Unternehmen mehr als 40.000 Mitarbeiter in dem Land.“

Wenn westliche Firmen beschließen, den russischen Markt zu verlassen, haben sie mit vielen Herausforderungen zu rechnen. Diese Unternehmen können „nicht an Parteien verkaufen, die unter Sanktionen der USA oder der Europäischen Union stehen“, schreibt The Wall Street Journal. Äußerst kompliziert sei ebenfalls die Frage, „wie der Wert eines Unternehmens in einem Markt berechnet werden kann, der plötzlich vom Rest der Welt abgeschnitten ist“.

Die russische Regierung mache es den Unternehmen nicht gerade leicht, sich zurückzuziehen. Die Aktiva wie beispielsweise Maschinen und ähnliche Betriebsmittel dürfe nicht in Länder exportiert werden, die Russland als feindlich ansieht. Die Ausfuhr von Dividenden sei ebenfalls verboten.

„Anstehende Gesetze in Russland könnten es der Regierung ermöglichen, Vermögenswerte von Unternehmen zu verstaatlichen oder zu beschlagnahmen, die ihre Produktion verringern oder eine bestimmte Anzahl von Mitarbeitern entlassen“, erklärt die Zeitung.

Die antirussischen Sanktionen hätten den westlichen Unternehmen in Russland das Leben sehr schwer gemacht. Eine Erholung sei nicht in Sicht.

„Weltweit tätige Unternehmen haben mit ihren russischen Betrieben Verluste in Höhe von mehr als 59 Milliarden US-Dollar erlitten und die Sanktionen werden die Wirtschaft noch weiter belasten, wie aus öffentlichen Erklärungen und Wertpapierdokumenten hervorgeht“, so die Zeitung.

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