"Das ist Völkermord": US-Pharmakonzern stoppt Krebsbehandlung russischer Patienten

Das US-Pharmaunternehmen Bristol-Myers Squibb (BMS) will sich nicht nur vom russischen Markt zurückziehen, sondern auch alle Krebsmedikamente vernichten, die derzeit in klinischen Studien verwendet werden, berichtet das Fachportal Medwestnik. Krebspatienten, die an solchen Studien teilnehmen, müssen ihre Therapie abbrechen. Für manche wäre dies ein Todesurteil, so Irina Borowowa, die Präsidentin von Zdravstvuj, einer Vereinigung von Krebspatienten in Russland. Gegenüber Medwestnik erklärte sie:

„Ich habe das BMS-Büro in Russland angerufen und sie gebeten, die Medikamente hier zu lassen, weil es unmenschlich ist, kranken Menschen die Hoffnung zu nehmen. Diese Haltung widerspricht der Unternehmenspolitik, denn das ist schlichtweg Völkermord.“

Die Vereinigung habe sich zudem mit einer Beschwerde gegen BMS an die Europäische Koalition der Krebspatienten (ECPC) gewandt, so Irina Borowowa. Laut der Präsidentin der Vereinigung, hätten bereits einige namhafte medizinische Einrichtungen in Russland Probleme mit dem amerikanischen Pharmakonzern gemeldet – wie zum Beispiel das Blochin-Onkozentrum der Russischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften. Der Pressedienst des Petrow-Onkologie-Forschungszentrums bestätigte gegenüber Medwestnik ebenfalls, dass das Zentrum von dem Unternehmen die Anweisung erhalten habe, alle für die Krebstherapie bestimmten Arzneimittel zu vernichten. Zurzeit seien die Ärzte damit beschäftigt, Patienten, die an den Studien teilgenommen haben, auf die Standardtherapie umzustellen. Aus dem Forschungszentrum hieß es:

„Dies ist sehr enttäuschend, da die große Mehrheit der Teilnehmer gut auf die Behandlung ansprach.“

Das US-amerikanische Unternehmen Bristol-Myers Squibb hatte bereits im Jahr 2016 das Medikament Opdivo in Russland angemeldet. Das Arzneimittel ist zur Behandlung von drei Tumorarten bestimmt und kann vor allem bei geschwächten und älteren Patienten erfolgreich eingesetzt werden. Nach den Angaben von Medwestnik seien im Jahr 2021 in Russland 266.800 Einheiten von Opdivo im Wert von 18,4 Milliarden Rubel (rund 280 Millionen Euro) verkauft worden.

Bristol-Myers Squibb war seit dem Jahr 1995 in Russland tätig und ist nun das erste westliche Pharmaunternehmen, das den russischen Markt verlässt.

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