Nach Biden-Reise: Putin telefoniert mit saudischem Kronprinzen über Ölförderung

Der russische Präsident Wladimir Putin und Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman haben sich laut Reuters in einem Telefonat darauf verständigt, die Kooperation auf dem Ölmarkt fortzusetzen. Das Gespräch fand sechs Tage nach dem Besuch von US-Präsident Joe Biden in Saudi-Arabien statt und hob die Bedeutung des Königreichs für Washington und Moskau in einer Zeit hervor, in der steigende Ölpreise den Verlauf des Krieges in der Ukraine beeinflussen könnten. „Es wurde die Wichtigkeit einer weiteren Koordinierung innerhalb des Rahmens von OPEC+ betont“, teilte der Kreml am Donnerstag nach dem Telefonat zwischen Putin und bin Salman auf seiner Webseite mit.

Obwohl Biden bei seiner ersten Nahost-Tour verkündet hatte, dass die USA kein Vakuum für China, Russland und Iran im Nahen Osten hinterlassen würden und weiterhin „engagiert“ in der Region bleiben wollten, brachte seine Reise kaum handfeste Ergebnisse. Biden kehrte ohne eine Zusage für höhere Ölförderungen aus Saudi-Arabien zurück.

Der US-Präsident beendete seine Nahost-Reise letzte Woche ohne Ankündigung, dass das Königreich die Ölproduktion erhöhen werde, um die Kraftstoffpreise zu senken, die die höchste US-Inflation seit vier Jahrzehnten ausgelöst hatten. Saudi-Arabien deutete lediglich an, dass eine begrenzte Erhöhung der Produktion möglich sei.

Die Ölallianz OPEC+ einigte sich kürzlich darüber, die Fördermenge im Sommer viel stärker anzuheben als in den vergangenen Monaten. Reuters berichtete seinerzeit, dass Saudi-Arabien sich eng mit Russland beraten habe, bevor die OPEC+ sich für eine moderate Steigerung der Ölfördermenge entschieden hatte.

Saudi-Arabien hat laut Informationen des Wall Street Journal allerdings begrenzte zusätzliche Kapazitäten, um die Ölproduktion im Zuge des Ukraine-Krieges zu steigern. Der saudische Außenminister Prinz Faisal bin Farhan machte zudem am Samstag auf dem Golfgipfel deutlich, dass sich Saudi-Arabien in der Wahl seiner Partner nur ungern auf US-Wunsch einschränken will.

Die OPEC hatte in den letzten Monaten wiederholt Forderungen aus den USA und anderen großen Ölabnehmerstaaten zurückgewiesen, mehr Rohöl in den Markt zu pumpen, um die Preise zu drücken. Im Mittelpunkt der Ölpolitik steht nun das nächste Treffen der OPEC+, das für den 3. August geplant ist.

Die auf das Petrodollar-System angewiesenen USA könnten dann vom Krieg in der Ukraine profitieren, wenn der Preisanstieg für Energieträger eingedämmt werden könnte. Die hohen Preise auf den Rohstoffmärkten im Verlaufe des Ukraine-Krieges führten dazu, dass Russland trotz geringerer Ausfuhrmengen sogar höhere Gewinne als zuvor erzielen konnte, während steigende Preise und Angst vor einer Hyperinflation für wachsende Verunsicherung der Bevölkerung im Westen sorgen.

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