WHO: Alle Affenpocken-Geimpften und Affenpocken-Patienten werden zu Studienteilnehmern

Am vergangenen Donnerstag, den 21. Juli, fand die zweite Sitzung des WHO-Notfallausschusses der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IHR) zum Ausbruch der Affenpocken in mehreren Ländern statt. An der als Zoom-Konferenz organisierten Sitzung nahmen unter dem Vorsitz des Generaldirektors der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, fünfzehn der sechzehn Ausschussmitglieder und alle zehn Berater teil.  

Der ausführliche Bericht über die zweite Sitzung des Notfallausschusses wurde am Samstag veröffentlicht. Dabei dankte der WHO-Generaldirektor nochmals allen Teilnehmern und Beratern

„für die sorgfältige Prüfung der Fragen im Zusammenhang mit diesem Ausbruch sowie für die Bereitstellung unschätzbarer Beiträge für seine Überlegungen.“

Allerdings haben die Komitee-Mitglieder laut dem Bericht keinen Konsens darüber erreichen können, dieses Ereignis als Public Health Emergency of International Concern (PHEIC/Öffentlicher Gesundheitsnotfall von internationaler Tragweite) einzustufen. Unter Berücksichtigung der Sichtweisen der Ausschussmitglieder und der Berater, sowie anderweitiger internationaler Gesundheitsregulierungen hat der Generaldirektor schließlich doch entschieden, dass der länderübergreifende Ausbruch von Affenpocken eine solche internationale gesundheitliche Notlage darstellt.

Unter Punkt 2.e, „Forschung über medizinische Gegenmaßnahmen“, gibt der Ausschussbericht die Sitzungsergebnisse zur vorgesehenen Forschung wieder, die die Impfkampagne gegen Affenpocken begleiten soll. Die Impfungen gegen Affenpocken sollen dabei im Rahmen einer klinischen Effektivitätsstudie durchgeführt werden, wobei grundsätzlich alle Geimpften zu Studienteilnehmern würden. Damit verfolge man das Ziel, rasch mehr Beweise für die Unbedenklichkeit und die Wirksamkeit zu sammeln.

Konkret heißt es in dem Bericht von des Generaldirektors der Weltgesundheitsorganisation:

„Es sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um vorhandene oder neue Impfstoffe gegen Affenpocken im Rahmen gemeinsamer klinischer Wirksamkeitsstudien einzusetzen. 

Hierbei sollten standardisierte Designmethoden und Datenerfassungsinstrumente für klinische und Ergebnisdaten verwendet werden, um rasch mehr Beweise für die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit zu sammeln, Daten über die Wirksamkeit von Impfstoffen zu erheben (zum Beispiel durch den Vergleich von Ein- oder Zweidosis-Impfschemata) und Studien über die Wirksamkeit von Impfstoffen durchzuführen.“

Und auch die Behandlung von Affenpocken mit neuen Medikamenten und antiviralen Mitteln soll im Rahmen kollaborativer Studien durchgeführt werden. Alle Patienten mit einer Affenpocken-Diagnose und entsprechender Behandlung würden quasi automatisch zu Studienteilnehmern, wie aus dem Bericht hervorgeht: 

„… alle Anstrengungen zu unternehmen, um bestehende oder neue Therapeutika und antivirale Mittel zur Behandlung von Affenpockenfällen im Rahmen gemeinsamer klinischer Wirksamkeitsstudien einzusetzen,

wobei standardisierte Designmethoden und Datenerfassungsinstrumente für klinische und Ergebnisdaten zu verwenden sind, damit rasch mehr Erkenntnisse über Wirksamkeit und Sicherheit gewonnen werden können.“

Bei der Umsetzung aller Maßnahmen, so wurde zu Beginn des Berichts grundsätzlich festgehalten, setze man die Beachtung der Würde aller Personen voraus:

„Es wird erwartet, dass alle zeitweiligen Vorschläge unter uneingeschränkter Achtung der etablierten Grundsätze der Menschenrechte, der Eingliederung und der Würde aller Personen und Gemeinschaften umgesetzt werden.“

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