BASF, Erdgas und Bananen — RT DE

Inzwischen haben wir gelernt, dass viele Sektoren der Industrie Erdgas benötigen, nicht nur als Brennstoff. Die BASF will jetzt ihre energieintensive Ammoniakproduktion drosseln. Aber auch das hat überraschende Nebenwirkungen – auch bei der Nahrungsversorgung.

Während in deutschen Medien das Halbjahresergebnis von BASF bejubelt wird, das trotz der Sanktionsfolgen (800 Millionen Euro Mehrkosten für Erdgas) positiv ist, ging eine kleine Information unter.

Der Vorstandsvorsitzende Martin Brudermüller sagte auf der Pressekonferenz zur Vorstellung des Berichts: „Wir fahren die Produktion in Anlagen zurück, die große Mengen Erdgas benötigen, wie Ammoniakanlagen.“

Ammoniak ist Ausgangsprodukt für Stickstoffdünger, aber auch für Sprengstoffe. Wenn im Moment die Produktion an Stickstoffdünger zurückgeht, ist das zumindest in Deutschland nicht problematisch, weil dieser Dünger im Frühjahr eingesetzt wird. Bezogen auf andere Länder, womöglich auf der südlichen Halbkugel, sieht das natürlich anders aus; BASF ist immerhin der weltgrößte Chemiekonzern.

Aber dahinter verbirgt sich noch ein anderes Problem, das auf den ersten Blick nicht sichtbar ist. Bei der Produktion von Ammoniak entsteht als Nebenprodukt sehr reines Kohlendioxid, und dieses Gas, das in der Presse nur als „Treibhausgas“ und „Klimakiller“ auftaucht, ist ein zentrales Produkt für die Lebensmittelindustrie. Steht die Produktion von Ammoniak, steht die von CO₂ automatisch ebenfalls.

Das Kohlendioxid, das anfällt, wird nicht nur Getränken zugesetzt oder dient als Trockeneis zur Kühlung. Und auch wenn wir heute kohlensäurehaltige Getränke gewohnt sind, der ursprüngliche Zweck war Konservierung. Heute wird CO₂ unter anderem in Lebensmittelverpackungen eingesetzt, um die Haltbarkeit von Produkten zu verlängern. Auf die gleiche Weise wird in Lagerhäusern gearbeitet – die natürliche Atmosphäre wird durch eine Gasmischung ersetzt, die Reifung und Verderb verzögert.

Kohlendioxid ist dabei das meistverwendete Gas. Das nächste Gas, das auf diese Weise eingesetzt wird, ist Stickstoff. Der allerdings wird ebenfalls aus Ammoniak erzeugt, fällt also mit aus.

Kein Problem, mag man denken, dann hält das Gemüse halt nicht ganz so lang, und man muss öfter Brot kaufen gehen. Aber so simpel ist das nicht. Diese Formen der Lagerung und Verpackung wurden nicht erfunden, um den Verbrauchern einen Gefallen zu tun, sondern um einen Transport über weitere Wege und eine Lagerhaltung für längere Zeit zu ermöglichen. Die gesamte Logistikkette ist darauf eingestellt. Obst und Gemüse, das nicht unter den etablierten optimalen Bedingungen gelagert wird, kommt womöglich verdorben am Zielort an. Damit verringert sich insgesamt die Menge der zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel, weil sich eingeführte Handelswege und Lagerverfahren nicht von einem Tag auf den anderen ersetzen lassen.

Eines der ersten Nahrungsmittel, das auf diese Weise transportiert wurde, waren Bananen. Die veränderte Atmosphäre im Inneren eines Bananentransporters stellt sicher, dass die Bananen unterwegs nicht reifen und immer noch halb grün im Supermarkt ankommen. Das hat natürlich auch den Vorteil, dass grüne Bananen weniger druckempfindlich sind als reife. Wären sie bei Anlandung reif, wäre der Transport wesentlich aufwendiger und die Bananen dementsprechend teurer.

Es ist aber nicht nur Obst und Gemüse, bei denen diese „Schutzatmosphäre“ zum Einsatz kommt, es ist auch Fleisch – und mit derselben Wirkung. Fleischangebote bei Discountern gibt es erst, seit das angebotene Fleisch so verpackt wird, weil es dort eingekauft werden kann, wo es am billigsten ist, dann lange Wege zurücklegen, und beim Endverbraucher immer noch einige Tage lang haltbar ist. Sofern nicht zufällig doch ein regionaler Lieferant dahinter steht, dürfte dieses Angebot entfallen, wenn das Schutzgas nicht zur Verfügung steht.

Selbst in dem Fall, dass sich dieses Gas andernorts erwerben lässt, wird es auf jeden Fall teurer, die gesamte Lieferkette entlang. Damit enthält der Preisanstieg bei Nahrungsmitteln, der ohnehin über der allgemeinen Inflation liegt und insbesondere die ärmere Bevölkerung trifft, zusätzlichen Schub. Das ist ein weiteres Beispiel, wie eine hochvernetzte Produktion auf einen Ausfall einzelner Bestandteile reagiert. Ein Mangel an Erdgas erzeugt Probleme in Bereichen, auf die man auf den ersten Blick nicht käme. Wer denkt bei Erdgas schon an Bananen?

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