Studie: Ungeimpfte machen eher die USA als Russland für Ukrainekrieg verantwortlich

In der sozialwissenschaftlichen Studie „Austrian Corona Panel“ (Österreichische Corona-Umfrage) der Universität Wien wird jeden Monat dieselbe Gruppe von 1.500 Studienteilnehmer in Österreich befragt. Damit gehört die Studie aktuell zu Österreichs größten sozialwissenschaftlichen Erhebungen. Mit seinem Team untersucht der Studienleiter und Professor für Wirtschaftssoziologie Dr. Bernhard Kittel die Einstellung und das Verhalten der Menschen in Österreich hinsichtlich der Coronakrise.

Laut Projektbeschreibung möchte man herausfinden, wie die Menschen mit der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Bedrohung umgehen, wie die Bürger über die Pandemie und die politischen Maßnahmen denken und ob sich die Einstellung zu Demokratie und Rechtsstaat ändert. In dieser Beschreibung der Austrian Corona Panel-Studie heißt es:

„So erlebt die österreichische Bevölkerung zwar gemeinsam eine Situation, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch nicht dagewesen ist, und übt in vielerlei Hinsicht neuen Zusammenhalt. Gleichzeitig sind die Herausforderungen und Auswirkungen für jeden Menschen und für jede Familie andere.“

„Die Analyse der situationsspezifischen Wirkung von Krisenkommunikation und Maßnahmen zur Krisenbewältigung soll dabei vier Grundaspekte erfassen: die Wahrnehmung, die empfundenen Auswirkungen und der Umgang mit sowie die Reaktion auf politische Maßnahmen zur Bewältigung der Krise.“

Die Studie wurde zunächst vom Wiener Wissenschafts- und Technologiefonds und dem Rektorat der Universität Wien finanziert. Weitere Erhebungswellen erhielten Unterstützung vom Sozialen Survey Österreich, von der Arbeiterkammer Wien und von der Industriellenvereinigung. Ab Oktober 2020 erfolgte die Finanzierung im Rahmen der Akutförderung SARS-CoV-2 vom Wissenschaftsfonds FWF.

Zuletzt hat man vom 20. bis 29. Mai dieses Jahres laut einem Bericht in der österreichischen Wochenzeitung profil die Studienteilnehmer auch zu ihrer Meinung über Ursachen und Verantwortlichkeiten beim Ukrainekrieg befragt. Dabei sei laut der Wochenzeitung herausgekommen, dass ungeimpfte und geimpfte Studienteilnehmer tendenziell eine unterschiedliche Meinung zur Ursache und zu den Verantwortlichen des Ukrainekrieges hätten.

Die Auswertung der Befragung nach Verantwortungszuschreibung beim Ukrainekrieg, die profil exklusiv vorlägen, habe der Kommunikationswissenschaftler Jakob-Moritz Eberl vorgenommen. Dabei habe er die Ergebnisse auch hinsichtlich des Impfstatus der Befragten ausgewertet. Als mögliche Kriegsverantwortliche standen Russland, die Ukraine, die EU, die NATO und die USA zur Wahl, Mehrfachantworten waren möglich, gab profil das Umfrageschema wieder. Die Zeitung kommentierte das Ergebnis wie folgt:

„Das Resultat ist eindeutig: Die überwiegende Mehrheit der Menschen, die sich zumindest einmal oder öfter gegen Corona immunisieren ließen, macht Russland für den Ukraine-Krieg verantwortlich (88 Prozent). Dementgegen sieht eine Mehrheit von 66 Prozent der Ungeimpften die Schuld bei den USA.“

Allerdings würden zumindest 62 Prozent der Ungeimpften Russland aber auch als mitverantwortlich einordnen, so profil. Die Zeitung gab auch die Erklärung des Kommunikationswissenschaftler Eberl zur tendenziellen Korrelation von Ungeimpftheit und angenommener US-Verantwortlichkeit bei den Befragten wieder:  

„Die verschwörungstheoretischen Narrative zu Corona und zum Ukraine-Krieg ähneln einander. Es geht immer darum, dass es bestimmte Eliten gibt, die einem was vorlügen. Der Grundbaustein aller Verschwörungstheorien ist ein Anti-Elitismus.“

Schon in früheren Befragungen hätte sich laut Eberl herausgestellt, dass viele Ungeimpfte an Verschwörungstheorien glaubten. Eberl zufolge wäre

„der Glaube an eine Verschwörungstheorie die beste Vorhersage für den Glauben an weitere Verschwörungstheorien“.

Außerdem wäre die Schuldzuweisung am Ukraine-Krieg laut profil von Eberl auch nach Parteipräferenz und Mediennutzungsverhalten ausgewertet worden. Danach würden die Anhänger der österreichischen Parteien MFG und FPÖ den USA, der EU und der NATO deutlich häufiger eine Mitschuld am Krieg geben als die Anhänger der anderen Parteien. Und die klarste russische Parteinahme hätte sich unter den regelmäßigen Nutzern des Chatdiensts Telegram gezeigt.

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