Montenegro: Schlechte Urlaubssaison wegen ausbleibender russischer Gäste und horrender Preise

Kurz vor August ziehen bereits einige Tourismusmitarbeiter in Montenegro eine schlechte Bilanz der diesjährigen Urlaubssaison. Die Schuld sehen sie primär bei der Sanktionspolitik des Landes gegenüber Russland, sowie bei der fehlenden Strategie der zuständigen Ministerien, stattdessen Touristen aus westlichen Ländern in größerem Maße in das kleine Land an der Adriaküste zu locken.

Laut Schätzungen seien bislang insgesamt rund 30 Prozent weniger Gäste verzeichnet worden als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. In einigen Städten wie dem bislang bei Touristen beliebten Ort Budva gar bis zu 50 Prozent. Einer der Hauptgründe dafür ist laut eines Tourismusmanagers das Ausbleiben der Besucher aus Russland und der Ukraine. Demnach habe es die Regierung nicht geschafft, zahlungskräftige russische Touristen durch erfolgreiche Werbekampagnen mit Gästen aus den EU-Ländern zu ersetzen.

Stattdessen würde man im Land luxuriöse Hotels haben und auch weiterhin bauen lassen, aber auf den Massentourismus mit nicht wohlhabenden Besuchern aus den Nachbarländern hoffen. Der Kern des Problems sei es, „eine Alternative zu Russen zu finden“, doch das Land habe keine, erklärte ein Gastronom gegenüber dem Sender RTCG. Die Zahl der westlichen Gäste sei verschwindend gering.

Fast ein Viertel der Touristen kamen bislang aus Russland oder der Ukraine, doch die Regierung hatte sich Brüssel angeschlossen und gegen Moskau wegen seiner Sonderoperation in der Ukraine Sanktionen verhängt. Aus der Ukraine wiederum kamen bislang vor allem Flüchtlinge nach Montenegro. Derzeit sollen rund 8.000 ukrainische Bürger als Geflüchtete im Land sein. Allein vergangenes Jahr sollen laut Statistikdaten rund 250.000 Gäste aus diesen beiden Ländern für rund zwei Millionen Übernachtungen gesorgt haben.

Laut Analysten würden sich nun russische Touristen für ein anderes Land, etwa die Türkei, zum Verreisen entscheiden. Zudem gibt es wegen der Sanktionspolitik keine direkten Flüge mehr aus Russland in den Küstenstaat. Vor der Ukraine-Krise gab es mehrmals täglich direkte Flüge von und nach Moskau.

Ein weiteres Problem dürften laut Medienberichten horrende Preise in den Urlaubsorten sein. Jene würden auch die nicht so zahlungskräftigen Gäste aus den Nachbarländern wie Bosnien-Herzegowina oder Serbien, die bislang das Land besucht hatten, abgeschreckt haben. Zumal das Angebot laut Kritikern seit Jahren nicht verbessert wurde. Sogar der Ministerpräsident des Landes, Dritan Abazović, verglich jüngst die Preise mit denen an der Côte d’Azur. 

In Montenegro wird in Euro bezahlt, obwohl das Land weder zur EU noch zur Euro-Zone gehört. So werden beispielsweise täglich für eine Liege zwischen 20 und 30 Euro verlangt. In den Restaurants kostet eine Wasserflasche bis zu vier Euro. Letztes Jahr waren es noch 1,50 Euro. Auch bei den privaten Unterkünften seien die Preise in die Höhe gegangen. Selbst der Premierminister monierte, dass jene Appartements, die im Vorjahr noch für 50 Euro die Nacht vermietet wurden, dieses Jahr 250 Euro pro Nacht kosteten.

Das Verhältnis Montenegros zu Russland dürfte demnächst noch schlechter werden, denn das Westbalkanland hat nun angefangen, Immobilien im Besitz russischer Staatsangehöriger im Rahmen der antirussischen Sanktionen zu beschlagnahmen.

Nach Schätzungen von Experten haben russische Staatsangehörige und Unternehmen allein im vergangenen Jahr mehr als 129 Millionen Euro in die Wirtschaft des Adria-Landes investiert. Allein in den Kauf von Appartements oder Häusern flossen fast 50 Millionen Euro.

Einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur TASS zufolge, hat der russische Botschafter in Montenegro, Wladislaw Maslennikow, daran erinnert, dass Russland in den letzten 15 Jahren der größte Investor in die montenegrinische Wirtschaft gewesen sei. Mindestens 1,5 Milliarden Euro oder durchschnittlich 100 Millionen Euro pro Jahr seien in das Land investiert worden. Damit würde die Summe, dem russischen Diplomaten zufolge, die von der Europäischen Union geplanten Investitionen im Rahmen des Investitionsplans für den westlichen Balkan in dem Zeitraum 2021 bis 2027 übersteigen. Diese sollen nicht mehr als 600 Millionen Euro betragen.

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