Andrej Martjanow zu Pelosis Taiwan-Besuch: Der älteste Trick aus der Mottenkiste

Am Montag veröffentlichte der Autor Andrej Martjanow auf seinem Internetblog „Reminiscense of the Future – Si Vis Pacem, Para Vinum“ einen Beitrag zum aktuellen Konflikt zwischen China und den USA über die Reise der Sprecherin des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten Nancy Pelosi. Mit seinem Kommentar zu einem Beitrag von Politico, über den auch RT berichtete, präsentiert er eine andere Perspektive auf die Hintergründe des Dramas um die Reise der US-Politikerin. Wir geben ihn hier in deutscher Übersetzung wieder.

von Andrej Martjanow

Der älteste Trick aus der Mottenkiste

Politico lamentiert [Link via RT]:

„Wenn die Spannungen mit China wegen Taiwan außer Kontrolle geraten, könnte dies die Unterstützung der USA für die Ukraine gegen Russland kosten, befürchten Beamte in der EU. Eine Verlagerung der feindseligen Aufmerksamkeit Washingtons von Moskau auf Peking wäre das ‚Worst-Case-Szenario‘ für die europäischen NATO-Mitglieder, zitiert Politico einen europäischen Diplomaten. Die rhetorischen Konfrontationen zwischen Washington und Peking über einen möglichen Besuch der Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, in Taiwan sind im Moment kein Thema für die NATO, aber ‚es könnte leicht eskalieren‘, so die diplomatische Quelle in dem am Montag veröffentlichten Artikel. Das Blatt sprach mit mehreren EU-Quellen darüber, wie der europäische Wirtschaftsblock die Spannungen um Taiwan wahrnimmt. Laut Politico waren die meisten EU-Mitgliedstaaten in ihren öffentlichen Kommentaren zu Taiwan und der Rivalität der USA mit China, einem wichtigen Handelspartner der EU, bis vor Kurzem zurückhaltend.“

Der Grund, warum Pelosis Abenteurertum mit dem „Besuch“ in Taiwan so im Mittelpunkt steht – wir wissen noch nicht, ob sie dort ankommen wird –, ist einfach [Dieser Artikel wurde vor der Reise von Nancy Pelosi nach Taiwan veröffentlicht, Anm. d. Red.]. Bis hin zur Eskalation an den Rand eines Konflikts mit China geht es dabei nur darum, diese beiden Dinge zu vertuschen:

1. Die wirtschaftliche Katastrophe, die sich in den USA abspielt;

2. Der verzweifelte Versuch, die Aufmerksamkeit von der verlorenen Sache in 404 [die Ukraine, Anm. d. Red.] abzulenken.

Hierbei handelt es sich um den ältesten Trick aus der Kiste. Vor allem bei den heutigen „Eliten“ der USA, die nur zwei Dinge können: sich selbst wiederwählen und Public Relations. So zitiert Bernhard von MoA (Moon of Alabama) Cynthia Chung:

„Im Oktober 2019 erklärte Jake Sullivan, der 2021 zum Nationalen Sicherheitsberater der USA ernannt wurde, in einem Interview, dass die USA eine klare Bedrohung bräuchten, um die Welt zu versammeln und die Rolle des Retters der Menschheit zu spielen. China könnte dieser Gestaltungsfaktor für die Außenpolitik der USA sein. In dem Interview aus dem Jahr 2019 räumte er ein, dass das Problem im mangelnden Glauben der Menschen an eine chinesische Bedrohung bestehen würde. Ihre Sicht auf China sei zu positiv. Um die Meinung der Menschen zu ändern, bräuchten die Vereinigten Staaten einen ‚Pearl-Harbour-Moment‘, ein Ereignis, das wirklich im Mittelpunkt stehe. Etwas, das, wie er ruhig feststellte, ‚dem amerikanischen Volk eine Heidenangst einjagen würde‘.“

Damals lehrte Sullivan … an der Yale Law School (oh mein Gott!), und Sie können das ganze Interview hier lesen. Da er ein ausgewiesener Neokonservativer ist, ist es nur natürlich, von seinesgleichen die PR-gesteuerten Lösungen für die unvermeidlichen Schlamassel zu erwarten, die Neokons aufgrund ihrer schieren Inkompetenz und Bosheit bei allem verursachen.

Ein weiteres deutliches Zeichen dafür, dass Washington zu brennen beginnt, erkennt man auch an der Erklärung von Biden (und von den Puppenspielern, die ihre Hand in seinem Hintern haben). In typischer Ganovenmanier verkündete er:

Washington hat sich bereit erklärt, mit Russland über einen „neuen Rahmen für die Rüstungskontrolle“ zu verhandeln, der den bahnbrechenden New START-Vertrag (Vertrag zur Reduzierung strategischer Waffen) ersetzen könnte. US-Präsident Joe Biden äußerte sich am Montag in einer Erklärung im Vorfeld der zehnten Konferenz zur Überprüfung des Nichtverbreitungsvertrags (NVV). „Meine Regierung ist heute bereit, zügig über einen neuen Rahmen für die Rüstungskontrolle zu verhandeln, der New START nach dessen Auslaufen im Jahr 2026 ersetzen soll. Aber die Verhandlungen erfordern einen willigen Partner, der in gutem Glauben handelt“, sagte Biden. Gleichzeitig behauptete der US-Präsident, Moskau hätte mit seiner „brutalen und unprovozierten“ Militäroperation in der Ukraine „den Frieden in Europa erschüttert“. Die Operation sei zu einem „Angriff auf die Grundpfeiler der internationalen Ordnung“ geworden. In diesem Zusammenhang sollte Russland seine Bereitschaft für die Wiederaufnahme der Arbeit an der nuklearen Rüstungskontrolle mit den Vereinigten Staaten zeigen“, erklärte er. Biden forderte auch Peking auf, sich an Gesprächen über nukleare Abrüstung zu beteiligen.

Ich habe Neuigkeiten für Biden, Blinken, Sullivan und den Rest: Russland ist aus zwei Gründen „nicht bereit“:

1. Russland wird seinen dramatischen und wachsenden Vorsprung gegenüber den USA bei strategischen (und nicht-strategischen) Waffensystemen nicht verspielen, denn es gibt keine Gorbatschows im Kreml mehr;

2. Russland wird mit dieser Regierung nicht reden, mit Ausnahme eines Engagements in die Grundsätze eines Kapitulationsaktes des vereinten Westens, denn die Vereinigten Staaten sind nicht abkommensfähig und im Grunde unregierbar.

Es gibt noch viele weitere Faktoren, aber diese beiden sind die wichtigsten. Russland wird die EU weiterhin strangulieren und damit den USA die einzige Schoßhunde-Sammlung und den einzigen Markt vorenthalten, auf dem die USA theoretisch mit China konkurrieren können. Theoretisch, versteht sich. Die armen Franzosen können es nicht einmal mehr ertragen, dass der Sender Perwy kanal sich offen über Europa lustig macht, wenn es um Methoden des „Energiesparens“ geht, wie z. B. unter anderem das Urinieren beim Duschen.

Ja, sie haben ein großes Wehwehchen in Frankreich. Wie wäre es, wenn sie aufwachen, sich umschauen und erkennen, dass die überwältigende Mehrheit der Russen weder Respekt noch Bewunderung für den vereinten Westen (insbesondere nicht für die Europäer) übrig hat. Nur Verachtung. In Anlehnung an Michail Kutusow, der 1812 auf den Einmarsch Napoleons in Russland mit den Worten reagierte: „Ich werde sie (die Franzosen) dazu bringen, Pferdefleisch zu essen“, was ihm voll und ganz gelang, sagen oder denken die Russen heute: „Wir werden euch dazu bringen, in eure Duschen zu urinieren.“

Übersetzung aus dem Englischen.

Der Publizist Andrej Martjanow ist Experte für Militär- und Marinefragen. Unter anderem schrieb er die Bücher „Losing Military Supremacy“ (2018) und „The (Real) Revolution in Military Affairs und Disintegration: Indicators of the Coming American Collapse“ (2021).

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