Neue Eskalation im Tigray-Konflikt zeichnet sich ab — RT DE

15 Sep. 2022 13:10 Uhr

Eigentlich schienen Friedensgespräche zwischen der äthiopischen Zentralregierung und der Volksbefreiungsfront von Tigray, die einen Aufstand anführt, in Reichweite. Doch dann brachen neue Kämpfe aus.

In Mek’ele, der Hauptstadt des äthiopischen Bundesstaates Tigray, wurden nach zwei Luftangriffen der äthiopischen Streitkräfte am Mittwoch 10 Todesopfer gemeldet. Das berichteten lokale Gesundheitsbeamte. Es handelte sich dabei um den zweiten Angriff innerhalb weniger Tage. Indes behauptet die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), die das Gebiet kontrolliert, eritreische und äthiopische Streitkräfte in dem nördlichen Bundesstaat zu vernichten.

Kibrom Gebreselassie, Geschäftsführer des Ayder-Krankenhauses, dem wichtigsten Krankenhaus in Mek’ele, sagte der Agence France-Presse, dass zwei Luftangriffe ein Stadtviertel getroffen hätten, wobei 10 Menschen getötet und mindestens 14 weitere verletzt worden seien. Die Agentur konnte die Angaben über die Angriffe oder die Zahl der Todesopfer nicht unabhängig bestätigen.

Die gemeldeten Luftschläge erfolgten einen Tag nach einem weiteren Angriff auf die Universität von Mek’ele, der ebenfalls von einer Drohne ausgeführt worden sein soll. Bei der Attacke war zwar niemand getötet, aber mindestens eine Person verletzt worden. Fotos, die von tigrayanischen Beamten in den sozialen Medien veröffentlicht wurden, zeigen beschädigte Lastwagen und eine Person mit einer kleinen Wunde am Knie.

Die Angriffe erfolgen zu einem Zeitpunkt, wo die Kämpfe im westlichen Tigray weitergehen. Die TPLF soll demnach auch Truppen der äthiopischen Armee (ENDF) sowie eritreische Einheiten angegriffen haben.

Tadesse Worede, Befehlshaber der TPLF-Streitkräfte, sagte am Dienstag, dass sich „eritreische Streitkräfte in Sheraro“ befänden, einer Stadt etwa acht Meilen von der eritreischen Grenze entfernt, im nordwestlichen Tigray. Die TPLF behauptete, Eritrea habe in der vergangenen Woche gemeinsam mit den ENDF-Kräften eine Offensive in diesem Gebiet gestartet. Das jedoch ist weder von der eritreischen Regierung in Asmara noch von Quellen außerhalb der TPLF bestätigt worden.

Die äthiopische Regierung in Addis Abeba behauptet, die TPLF habe die Kämpfe im westlichen Tigray ausgelöst und eine Offensive gestartet, um die vier westlichsten Woredas (Distrikte) zurückzuerobern und eine Landbrücke zum Sudan zu öffnen. Dort habe die Gruppe Berichten zufolge irreguläre Kräfte aus Flüchtlingslagern rekrutiert. Einen Tag nach Wiederaufnahme der Kämpfe, am 25. August, erklärten die äthiopischen Streitkräfte ENDF, sie hätten ein Transportflugzeug abgeschossen, das mit Waffen aus dem Sudan nach Tigray unterwegs war. Es wurden jedoch keine Einzelheiten über Art und Größe des Flugzeugs genannt.

Vor den neuen Kämpfen im vergangenen Monat, die beide Seiten einander vorgeworfen haben, hatten monatelange Vorbereitungen scheinbar endlich die Voraussetzungen für die Aufnahme von Friedensgesprächen zwischen der TPLF und der Regierung des äthiopischen Premierministers Abiy Ahmed geschaffen. Am Freitag bot die TPLF in einem Schreiben an die Vereinten Nationen einen Waffenstillstand an und erklärte sich am Montag bereit, die vorgeschlagene Vermittlung von Friedensgesprächen durch die Afrikanische Union zu akzeptieren, was sie zuvor als unmöglich abgelehnt hatte.

Auf das Waffenstillstandsangebot folgte jedoch Häme aus den eigenen Reihen: Der TPLF-Sprecher Getachew Reda behauptete, die äthiopisch-eritreische Offensive sei „gegen eine Mauer gefahren“ und „zehntausende Eritreer und Äthiopier sowie zahlreiche Kommandeure“ seien in den letzten Tagen bei Gefechten an der Süd- und Westfront „getötet worden“.

Die Gruppe hat noch einmal Forderungen erneuert, die zuvor Teil der Friedensgespräche waren. Darunter die Wiederherstellung von Strom-, Internet- und Bankdienstleistungen sowie die Rückkehr von Nahrungsmittelhilfekonvois – letztere wurden vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) und nicht von Abiys Regierung gestrichen.

Darüber hinaus hat die TPLF aber auch neue Forderungen gestellt. Etwa den vollständigen Rückzug der äthiopischen Streitkräfte aus Tigray, einschließlich der vier westlichsten Woredas, die sie selbst seit Beginn des Konflikts im November 2020 besetzt hält. Diese Bezirke waren einst Teil des Amhara-Bundesstaates, wurden aber nach der Machtübernahme der TPLF durch das Derg-Militärregime im Jahr 1991 zu Tigray hinzugefügt.

Der Aufstand begann nach zwei Jahren des schwindenden Einflusses der TPLF auf die äthiopische Politik, nach der Ernennung Abiys zum Premierminister. Ethnische Parteien, die zuvor mit der TPLF verbündet waren, lehnten deren Vormachtstellung ab und nominierten Abiy, den ersten Angehörigen der Volksgruppe der Oromo, der jemals dieses Amt innehatte. Er machte sich sofort daran, den Einfluss der TPLF zu verringern und viele ihrer politischen Entscheidungen rückgängig zu machen. Später im selben Jahr erhielt er den Friedensnobelpreis für die Beendigung des 20-jährigen Krieges mit Eritrea, in dem 120.000 Menschen getötet worden waren.

Ausländische Regierungen und internationale Organisationen haben beide Seiten aufgefordert, die Kämpfe zu beenden, und die Europäische Union unterstützte am Mittwoch den von der Afrikanischen Union (AU) geführten Friedensprozess.

„Die äthiopische Regierung unterstützt den von der AU geführten Friedensprozess und äußerte die Hoffnung, dass die EU die Bemühungen um eine friedliche Beendigung des Konflikts unterstützen wird.“

Dies erklärte der äthiopische Vizepremierminister und Außenminister, Demeke Mekonnen, am Mittwoch gegenüber Rita Laranjinha, der Direktorin für Afrika beim Europäischen Auswärtigen Dienst.

Aufgrund der Dürre in der Region ist die Lage bereits schwierig, aber der Krieg hat die Situation noch einmal verschlimmert. In ganz Äthiopien sind nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) mehr als 20 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen – ein Fünftel der Bevölkerung des Landes; darunter 5,4 Millionen in Tigray.

Mehr zum Thema – Äthiopien: Westliche Regierungen rufen Bürger auf, das kriegsgebeutelte Land sofort zu verlassen

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