Bringen sie die Wende im Ukraine-Krieg? — RT DE

19 Sep. 2022 20:00 Uhr

Die in Iran gebauten Drohnen sollen kürzlich mehrere verheerende Angriffe in der ukrainisch kontrollierten Region Charkow durchgeführt haben. Die russischen Streitkräfte hatten sich unlängst bei Charkow hinter die Grenze zurückgezogen. In der iranischen Führung setzt sich langsam die Ansicht durch, dass die NATO bis an Grenze Irans im Nordkaukasus vorrücken wird, wenn Russland den Krieg in der Ukraine verlieren sollte.

Eine Analyse von Seyed Alireza Mousavi

Russland soll im Ukraine-Krieg verstärkt „Kamikaze“-Drohnen eingesetzt haben – und zwar aus iranischer Produktion. Die von Iran gebauten „Schahed 136“ sollen an der Front gegen die hocheffizienten Mehrfachraketenwerfer HIMARS oder die Panzerhaubitze 2000 zum Einsatz gekommen sein. Russland habe den ukrainischen Streitkräften mit kürzlich eingeführten iranischen Drohnen schwere Schäden zugefügt, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf Militärkreise in der Ukraine. Drohnen sollen etwas umlackiert und in „Geranium 2“ umbenannt worden sein, damit man nicht gleich die iranische Herkunft erkenne, hieß es weiter im WSJ. Militär-Experten hätten aber dennoch herausgefunden, dass es sich um iranische „Selbstmord“-Drohnen handelte.

Die Welt will über Informationen verfügen, dass gerade an dem Frontabschnitt bei Saporoschje diese Drohnen sehr effizient zum Einsatz gekommen sein sollen, wobei ganz gezielt westliche Waffensysteme ins Visier genommen worden wären. Die nach Russland gelieferten Drohnen des Typs Schahed 136 sollen zudem in den vergangenen Wochen auch mehrere verheerende Angriffe in der Region Charkow durchgeführt haben. Die russischen Streitkräfte zogen sich unlängst im Charkow teils hinter die Grenze zurück. Das wurde von den Gegnern als ein symbolischer Sieg der ukrainischen Armee gefeiert. 

Das ukrainische Militär behauptete letzte Woche erstmals, dass man auf dem Schlachtfeld eine von Russland eingesetzte iranische „Selbstmord-Drohne“ abgefangen hätte. Der nicht namentlich genannte Militärbeamte sagte, dass ukrainische Truppen während ihrer Offensive, die die russischen Linien um Charkow an der Ostfront zu durchbrechen versuchte, die Drohne in einem Vorort der Stadt Kupjansk abgefangen hätten.

Der Gründer und Geschäftsführer von Red Six Solutions LLC, einer strategischen Beratungsfirma, Scott Crino sagte, die Schahed 136 könnte Russland ein „starkes Gegengewicht“ zu den High-Tech-Waffensystemen wie den HIMARS-Mehrfachraketenwerfern bieten, welche die USA der Ukraine zur Verfügung gestellt haben. Der Welt-Korrespondent in Moskau erklärte, dass iranische Drohnen im operativen Tagesgeschäft an der Front durchaus ein „Gamechanger“ sein könnten. Vor Kurzem hieß es aber in den westlichen Medien, dass Iran nur „Schrott“ an Russland geliefert hätte, und die Russen seien mit der Drohnen-Lieferung aus Iran „nicht zufrieden“.

Die durch Iran unterstützte Huthi-Bewegung im Jemen führte im Jahr 2019 in einer spektakulären Operation einen groß angelegten Drohnen-Angriff auf zwei Ölförderanlagen des saudischen Staatskonzerns Aramco aus und verursachte damit einen drastischen Produktionseinbruch für den Ölmarkt. Bei diesem Angriff sollen „Schahed“-Drohnen zum Einsatz gekommen sein, wobei die in den USA hergestellten Abwehrsysteme seinerzeit nicht in der Lage waren, sie abzufangen.  

Iran hat sich längst zu einem wichtigen Hersteller von Kampfdrohnen auf der Welt entwickelt, zum Teil durch den Nachbau von US-Kampfdrohnen. So hatte Teheran im Jahr 2011 eine US-Tarnkappendrohne RQ-170 Sentinel gekapert, untersucht und nachgebaut, als diese Drohne aus Kandahar kommend in den iranischen Luftraum eingedrungen und von der iranischen Armee erfolgreich zur Landung dirigiert worden war.

Russlands Einsatz von Drohnen des modernen Typs Schahed 136 in der Ukraine stellt eine Ausweitung des Einsatz iranischer Waffensysteme dar, über den Nahen Osten hinaus, wo Iran seine unbemannten Luftfahrzeuge bereits erfolgreich eingesetzt hatte, um die US-Luftüberlegenheit herauszufordern. Der US-amerikanische Top-General Kenneth „Frank“ McKenzie sagte bereits im April 2021, die militärische Überlegenheit der USA in Nahost schwinde durch den Einsatz iranischer Drohnen.

Iran und Russland bauen ihre Kooperation aus. Dass es dabei um Drohnen geht, dementieren aber beide Seiten derzeit offiziell. Zugleich ist anzumerken, dass das iranische Staatsoberhaupt Ali Chamenei bei seinem Zusammentreffen mit dem Präsidenten Putin in Teheran die Neutralität seines Landes bezüglich des Ukraine-Krieges aufgegeben und zugunsten von Russlands Operationen in der Ukraine argumentiert hatte. Chamenei ist de facto der Entscheidungsträger bei strategischen Fragen in Iran. „Mit Ihrer Initiative in der Ukraine sind Sie der NATO zuvorgekommen. Hätten Sie nicht gehandelt, hätte die NATO wegen der Krim einen Krieg vom Zaun gebrochen. Westliche Machenschaften haben zur Zerstörung der Sowjetunion geführt, doch Ihre entschlossene Führung brachte Russlands Stärke zurück.“ Das sagte Irans Oberster Führer Chamenei wörtlich dem russischen Präsidenten im Juli in Teheran. 

Teheran und Moskau sind seit 2015 in Syrien militärische Verbündete und taten sich zusammen, um den syrischen Staat auf Bitten von Baschar al-Assad vor dem Zerfall durch islamistische Terrorgruppen zu schützen. Die Russen helfen der iranischen Regierung auch beim Weltraumprogramm Irans und gewähren Iran einen bevorzugten Zugang zu Getreidelieferungen im Verlaufe des Ukraine-Krieges. In der iranischen Führung setzt sich langsam die Ansicht durch, dass die NATO bis an die Grenze Irans im Nordkaukasus vorrücken würde, wenn Russland den Krieg in der Ukraine verliert. Wer Drohnen in bewaffneten Konflikten sinnvoll einsetzen will, soll allerdings auf die richtigen Taktiken achten. Dazu gehört die elektronische Kriegsführung. Ob es der Kremlführung gelingen wird, den Ukrainern mit den Neuerwerbungen aus Iran massive Schäden zuzufügen, bleibt abzuwarten.

Mehr zum Thema – Ukrainische Armee will eine von Russland eingesetzte iranische Drohne abgefangen haben

RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des „Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes“ am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.



Source link