Kommunen warnen: Neun-Euro-Ticket-Nachfolger könnte zu Kollaps des Nahverkehrs führen

In der Debatte um die Finanzierung einer Nachfolgeregelung für das sogenannte Neun-Euro-Ticket haben die Landkreise vor einer Unterfinanzierung der Verkehrsbetriebe gewarnt.

„Wir dürfen das Pferd nicht von hinten aufzuräumen. Tarife allein können ein unzureichendes Angebot nicht ausgleichen. Die Erfahrungen mit dem Neun-Euro-Ticket zeigen, dass der Angebotsausbau wichtiger ist als ein sehr günstiges Ticket“,

mahnte der Präsident des Deutschen Landkreistages (DLT), Reinhard Sager, im Gespräch mit der Rheinischen Post. Die vom Bund zur Verfügung gestellten Gelder würden angesichts der massiv gestiegenen Energiekosten nicht ausreichen, „um den bestehenden Nahverkehr zu finanzieren“.

Laut Sager seien die Marktpreise für Bauleistungen, Personal und Energiekosten „dramatisch“ gestiegen. „Man darf deshalb keinesfalls Liquiditätsengpässe oder gar Betriebsaufgaben bei den Verkehrsunternehmen riskieren. Wenn das nicht gelingt, drohen Einschränkungen oder sogar Abbestellungen im Angebot.“ Damit das nicht passiere, so Sager weiter, sei jedoch „mehr Geld im System“ notwendig. Die aktuelle Debatte verläuft seit Wochen falsch herum, kritisierte der DLT-Präsident.

Die Verkehrsminister von Bund und Ländern beraten an diesem Montag auf einer Sonderkonferenz über ein mögliches Nachfolgemodell zum Neun-Euro-Ticket im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Nach dem unerwarteten Erfolg des Tickets hatte die Ampelkoalition Anfang September für einen Nachfolger des bundesweit gültigen Tickets plädiert. 1,5 Milliarden Euro will sie dafür bereitstellen. Allerdings nur, wenn sich die Länder in gleicher Höhe beteiligen. Nach Berechnungen der eigens eingesetzten Expertenkommission würde der Monatspreis für solch ein Ticket bei 49 bis 69 Euro liegen. Mehr ist bis dato jedoch noch nicht geklärt. Über die Ergebnisse wollen die Minister im Anschluss an die Konferenz bei einer Pressekonferenz informieren.

Doch bewegt sich die Debatte zunehmend in eine Sackgasse. Wegen der hohen Energiekosten fordern die Länder vom Bund bereits seit Wochen zusätzliche Mittel vom Bund für den Öffentlichen Personennahverkehr. „Den Menschen nützt das Ticket nichts, wenn es kein Angebot gibt, das sie nutzen können“, sagte der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Stattdessen brauche es eine Gesamtfinanzierung, die auch den Ausbau des ÖPNV umschließe. Vom Bund fordern die Minister zur Kompensation der Kosten deshalb zusätzliche 1,65 Milliarden Euro.

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