Duschen als Highlight der Woche

20 Sep. 2022 15:39 Uhr

Öffentliche-Rechtliche Formate stimmen junge Menschen regelmäßig über ihre Veröffentlichungen auf entbehrungsreiche Zeiten ein. Das Motto lautet: Weniger ist mehr, gewöhnt euch schon einmal daran. Das WDR-Format „kugelzwei“ schließt sich den Empfehlungen der Politik an – warum Duschen, wenn auch ein Waschlappen reicht.

Von Bernhard Loyen

Wir leben in bizarren Zeiten. Den Bürgern wird täglich über bewusst manipulative Texte und Filmchen in den sozialen Medien nachdrücklich vermittelt, dass der individuelle Mensch über seine Verhältnisse lebt, unsensibel ist, der Natur schadet und Bedürfnisse seiner Mitmenschen mutwillig missachtet. Dass sie/ihr, er/sein oder they/them sich zeitnah an das Lebensmotto der Stunde gewöhnen sollten, ausgehend der Vorstellungen des World Economic Forums (WEF): „Ich besitze nichts, habe keine Privatsphäre, und das Leben war noch nie besser“. Diejenigen, die gelernte gesunde Skepsis aufmerken lassen, machen sich je nach Wahrnehmung dabei nur verdächtig. Rücksichtnahme wird in orwellscher Manier in ihrer ursprünglichen Bedeutung schlicht umgekehrt.

So empfiehlt und vermittelt aktuell der GEZ-finanzierte Westdeutsche Rundfunk (WDR): Wozu regelmäßige Körperhygiene? Körpergeruch kann etwas Schönes und Natürliches sein. Die gegenwärtige Explosion an „Erklärvideos“ richtet sich mehrheitlich über extrageschaffene Videoformate auf YouTube, TikTok oder Instagram an die anvisierte Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen. Das WDR-Format kugelzwei veröffentlichte am 15. September ein beeindruckendes Beispiel bedenklicher „Denkvorgaben“ an die Menschen im Land. So formuliert das Video zu Beginn für den Zuschauer kommende Verzichtsanregungen mit der Einleitung:

„Wenn wir nur ein mal pro Woche Duschen/Baden, dann könnte unser Alltag so aussehen:“

Der ignorante und bis dato schlicht vor sich Hinlebende lernt bzw. wird darauf hingewiesen, dass „häufiges Duschen und Baden laut Dermatologen:innen der Haut schaden“ könnte. Das animierte Fräulein wäscht sich zwar die Haare, ohne Waschbecken und/oder Wasser, doch vielleicht soll so nur vermittelt werden, dass auch eine geschädigte Kopfhaut das nachhaltige Denken beeinflussen könnte.

Die Körperreinigung mit dem Waschlappen hätte gegenüber dem Dusch- oder Wannenbad unbekannte Vorteile. So heißt es im eingeblendeten Text des Videos:

„Wir würden uns wohl (sic!) mehr waschen und wären schneller im Bad fertig“

Dadurch hätte der potentielle Verzichtsbürger wiederum „mehr Zeit für anderes?“, wird zum Nachdenken fragend angeregt. Neben mehr Freizeit durch die angeregte Hygienereduktion, wären „wir“ zudem „vielleicht etwas toleranter bei natürlichen Körpergerüchen“ geht es unbeirrt irre weiter. Es folgen Beispiele von Umbau-, bzw. Rückbaumaßnahmen in Bereichen der Gesellschaft. Die Handwerkskammer wird es in diesen unsicheren Zeiten erfreuen. Das Redaktionsteam von kugelzwei schlägt vor:

„In Fitnessstudios könnte es zum Beispiel Kabinen mit Waschbecken statt Duschkabinen geben.“

Das Ende des Videos verrät die individuelle Krönung des Ganzen. Wortwörtlich lautet die Animation zum gewünschten Umdenken, natürlich noch in Fragestellung formuliert:

„Duschen/Baden als wöchentliches Highlight?“

Eigentlich nicht Neues. Das galt schon in den 1960er und 70er als Höhepunkt – für Kinder. Erwachsenenerziehung auf Kinderniveau heißt aber die politische wie mediale Maßnahme der Gegenwart im Jahre 2022. Braucht es aber zum „wöchentlichen Highlight“ nicht zumindest eine Badewanne oder Dusche in der zunehmend unbezahlbaren Wohnung? Wozu denn bitte eine Wohnung? Das Tiny House gilt als erstrebenswertes Zukunftsmodell oder variabel sogenannte Cluster-Wohnungen. Die Berliner B.Z. titelte im August diesen Jahres:

„Neuer Wohntrend: WG mit 25 Zimmern! Cluster-Wohnungen sind die Zukunft.“

Noch sind dabei WC und Duschen eingeplant, aber warum und wozu eigentlich? Die kugelzwei-Redaktion schlägt schwärmerisch im Video zum Thema Grundreinigung und Wochenhöhepunkte vor:

„Vielleicht würden wir es zusammen mit Freund:innen in öffentlichen Badehäusern zelebrieren.“

Das dazugehörige Bild zeigt mutig oder unbedacht fahrlässig und irritierend ein eindeutig gemischtes Badehaus, ohne Blickschutz für die (?) Duschende.

Die lebensnahe Realität, was in öffentlichen Toiletten in diesem Land schon so zelebriert wird, wird unverständlicherweise im Video nicht erwähnt. „Könntest du dir vorstellen, nur einmal in der Woche zu Baden/Duschen?“ wird abschließend ohne Vorwurfston gefragt. Da wird jeder Bau- oder Schichtarbeiter am Ende eines anstrengenden Arbeitstages antworten „Hackts bei Dir?!“ Das Komiker-Duo Die Doofen textete bei ihrem kleinen Hit „Mief“ im Jahre 1995 ungeahnt vorgreifend:

„… Einer frischverliebten Nase, sind gelegentliche Gase, ganz egal. Mief, Mief, Mief, Mief. Sagt doch über den Charakter gar nichts aus. Nimm mich jetzt, auch wenn ich stinke, denn sonst sag‘ ich Winke Winke und goodbye…“

Der WDR informiert zum Format kugelzwei: „Wie lässt es sich zufrieden leben – heute und übermorgen? Inspirierende, verbindende und zukunftsfähige Ideen finden Sie auf den Facebook- und Instagramkanälen unserer Rubrik kugelzwei“. Skeptischen und restdenkenden Bürgern bleibt nun gegebenenfalls nur noch die letzte Chance, sich von den öffentlich-rechtlichen Medien langsam, aber konsequent und endgültig zu verabschieden – Winke Winke und Goodbye.

Mehr zum Thema – „Cleverländ“-Kampagne – oder: Wie die Politik mündige Bürger zu Kleinkindern degradiert

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