„Tsunami“ rollt auf Europa zu – Politiker könnten noch Weichen stellen — RT DE

20 Sep. 2022 21:42 Uhr

Der Chefvolkswirt eines Beratungsunternehmens warnte, dass die durch den Ukraine-Krieg verschlimmerte Energiekrise katastrophale Folgen für die Wirtschaft Europas haben könne. Die Politiker hätten es jetzt in der Hand, das zu verhindern.

Die kältere Jahreszeit in Europa und der erschwerte Zugang zu russischem Erdgas, die zusammen zu höheren Energie- und Lebenshaltungskosten führen, könnten einen ökonomischen „Tsunami“ auslösen, der über Europa rollen wird. Das hat Lorenzo Codogno, Chefvolkswirt des Beratungsunternehmens LC Macro Advisors, in einem Interview mit der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua erklärt.

Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland führte zu einer dramatischen Steigerung der Erdgaspreise, die ihrerseits starke Preissteigerungen bei anderen Energieträgern auslösten und die Inflation auf Rekordhöhen trieb. Die Inflation in der Eurozone, zu der 19 Staaten gehören, erreichte im August den Rekordwert von 9,1 Prozent. Die Preise für Lebensmittel und Energie steigen weiterhin dramatisch an.

Codogno erklärte dazu:

„Im Moment haben wir ein Tauziehen zwischen der Lebenshaltungskostenkrise auf der einen Seite und der Widerstandsfähigkeit in vielen Sektoren und Aspekten der Wirtschaft auf der anderen Seite. Aber wenn man sich die Daten ansieht, sieht es so aus, als ob ein Tsunami kommt.“

Codogno, der zudem Gastprofessor am Europäischen Institut der London School of Economics and Political Science ist, warnte, dass sowohl die Verbraucherinflation als auch die Industrieproduktion gleichzeitig in Mitleidenschaft gezogen werden. Er fügte hinzu:

„Der Druck auf das real verfügbare Einkommen ist so erheblich, dass man wahrscheinlich im späten dritten Quartal, höchstwahrscheinlich aber im vierten Quartal, eine erhebliche Verlangsamung des Verbrauchs erwarten würde.“

Wenn man sich die monatlichen Daten ansehe, gebe es immer noch eine gewisse Widerstandsfähigkeit, so der Wirtschaftsexperte. Aber einige Unternehmen hätten keine Preissetzungsmacht und könnten daher die Preise nicht erhöhen, um die Inflation an die Verbraucher weiterzureichen. Sie müssten daher also effektiv die Lebenshaltungskosten in ihren Gewinnspannen absorbieren. Zudem würden die Löhne derzeit nicht beachtlich ansteigen, fügte er hinzu.

„Die Kaufkraft der Haushalte wird unweigerlich beeinträchtigt werden.“

Der Wirtschaftswissenschaftler sagte, dass die politischen Entscheidungsträger maßgeblich darüber entscheiden werden, wie schwer die Energiekrise im Winter sein wird, welche Maßnahmen zur Senkung der hohen Energiekosten, steuerliche Unterstützung für energieintensive Unternehmen, Unterstützung für Familien mit geringem Einkommen und andere Maßnahmen eingeführt werden.

„Es hängt wirklich davon ab, inwieweit sie [die Krise] durch politische Maßnahmen aufgefangen wird und inwieweit das System widerstandsfähig ist.“

Es gebe etwa immer noch viele Ersparnisse im System, die zur Unterstützung des Verbrauchs genutzt werden könnten.

„Aber wir wissen nicht, wie viel, und das herauszufinden hängt vom Vertrauen ab, das schnell schwächer wird.“

Codogno sagte, dass die wirtschaftlichen Probleme in ganz Europa zu spüren sein werden, da durch die höhere Inflation ein wachsender Druck auf das real verfügbare Einkommen entstehe.

„Es gibt einige Länder, in denen die Lage katastrophal ist, in anderen ist sie etwas geringer, aber es ist [insgesamt] ein europäisches Phänomen.“

Wie schwerwiegend das Problem ist, hänge unter anderem von geografischen Faktoren und von der Industriestruktur eines Landes ab, so Codogno. Länder mit längeren und kälteren Wintern sowie Länder mit großen, energieintensiven Industriesektoren seien anfälliger für hohe Gaspreise. Der Ökonom warnte, dass insbesondere auch Deutschland stark von Erdgas abhängig sei.

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