Booster-Kampagne der Regierung enthält auch Falschmeldungen — RT DE

21 Sep. 2022 20:03 Uhr

Von Susan Bonath

Der Skandal um die neue Booster-Kampagne des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) unter dem Titel „Fakten-Booster“ ist größer als bisher gedacht. Sie ist offenbar von Falschinformationen nur so übersät. So sind auch die Angaben zum Impfstatus der wegen oder mit Corona hospitalisierten über 60-Jährigen nachweislich falsch und lassen sich zumindest für das gesamte Jahr 2022 widerlegen.

Fake News zum Impfstatus von Corona-Patienten 

So behauptet das BMG im ersten sogenannten „Faktenbooster“ auf der von ihm betriebenen Internetseite „zusammengegencorona“ zunächst Folgendes: 

„83 Prozent der Menschen, die infolge einer Corona-Infektion ins Krankenhaus eingewiesen werden, sind über 60 Jahre alt.“

Das ist zwar nicht mit offziell zugänglichen Daten belegt, weil diese laut des dafür zuständigen Robert-Koch-Instituts (RKI) gar nicht flächendeckend erhoben werden, mag aber noch nahe an der Wahrheit liegen. Nachweislich falsch ist allerdings die dieser Ausführung folgende Behauptung des BMG:

„Davon [Anmerkung: von den über 60-Jährigen] sind 5-mal mehr Ungeimpfte als Menschen, die bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten haben.“

Öffnet man die Infografik zu diesen Behauptungen, stößt man auf einen Text, der am 19. August veröffenlticht wurde. Hier verlinkt das BMG auf die Wochenberichte des RKI als Quelle seiner Behauptung. 

Problem: Diese RKI-Wochenberichte enthielten bis April dieses Jahres lediglich unvollständige Angaben zum Impfstatus der auf Normalstation mit Corona Hospitalisierten – und seither überhaupt nichts mehr. Und alle zu findenden Daten widersprechen der Angabe des Gesundheitsministeriums, wonach die Zahl der ungeimpften über 60-Jährigen Corona-Patienten die der mindestens dreifach Geimpften dieser Altersgruppe um das Fünffache übersteige.

Riesiger Widerspruch zu RKI-Daten 

Zu den verifizierbaren realen Fakten: Im zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des „Fakten-Booster“ bereits seit über zwei Wochen einsehbaren RKI-Monatsbericht hat das RKI auf Seite 14 die vermeintliche Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe berechnet. Insgesamt führt es in einer Grafik 1.507 Fälle von auf Normalstationen Hospitalisierten vom 13. Juni bis 10. Juni Juni Juni Juli auf. Den Tagesberichten des RKI ist aber zu entnehmen, dass in diesem Zeitraum 20.331 Patienten mit positivem Test neu in eine Klinik kamen. Das Institut jongliert also mit einer Teilmenge von 6,2 Prozent. Von allen anderen Patienten seien angeblich nicht genügend Daten bekannt.

Bei den über 60-Jährigen rechnet es mit der Teilmenge von 1.038 Hospitalisierten. Davon ordnete es 318 Patienten den Ungeimpften zu, aber 631 steckte es in die Kategorie „mit Auffrischimpfung“. Letztere waren also mindestens dreimal geimpft. Demnach waren von Mitte Juni bis Mitte Juli etwa doppelt so viele mindestens dreifach geimpfte über 60-Jährige in einer Klinik als „Ungeimpfte“. Von fünfmal so vielen Ungeimpften kann also keine Rede sein.

Da aber die Teilmenge dieser Daten viel zu gering und wahrscheinlich nicht auf die Gesamtzahl der Corona-Patienten übertragbar sein dürfte, könnte man sich die Daten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (kurz: DIVI) anschauen. Diese Daten enthalten zwar nicht das Alter der Patienten, aber geben immerhin von fast drei Viertel deren genauen Impfstatus an. 

 

DIVI-Daten belegen das Gegenteil

Die DIVI-Daten sind in den Wochenberichten des RKI zu finden. Am 11. August machte das RKI dazu folgende Angaben zu 61,7 Prozent der Corona-Intensivpatienten: Vom 11. Juli bis 7. August waren davon 16 Prozent ungeimpft, 54,9 Prozent dreifach und weitere 14,1 Prozent vierfach geimpft. Kurzum: 69 Prozent hatten mindestens drei Impfungen, aber nur 16 Prozent hatten keine Spritze erhalten. 

Das war einen Monat zuvor nicht viel anders. So nannte das RKI im Bericht vom 7. Juli folgende Zahlen: 14,4 Prozent Ungeimpfte, 56,4 Prozent dreifach und 13,1 Prozent vierfach Geimpfte. Insgesamt hatten also 69,5 Prozent der Intensivpatienten mindestens drei Spritzen erhalten, aber nur 14,4 Prozent noch keine.

Und auch die DIVI-Daten für den Mai dieses Jahres widerlegen die Behauptung des Gesundheitsministeriums: Demnach waren damals 15,5 Prozent der Intensivpatienten ungeimpft, aber 51,8 Prozent mindestens dreifach gespritzt.

Seit Januar keine Belege für BMG-Behauptung 

Man könnte bis zum Februar-Bericht zurückgehen, als erstmals Daten für die Auffrischimpfungen erhoben wurden. Damals, von Mitte Januar bis Mitte Februar, hatte die DIVI 35,9 Prozent Ungeimpfte auf den Intensivstationen ermittelt und 28,7 Prozent Geboosterte. Auch damals waren als nicht, wie behauptet, fünfmal mehr Ungeimpfte als Geboosterte dort.

Selbst die bis Ende April in den Wochenberichten publizierten RKI-Berechnungen mit einer geringen Teilmenge passen nicht zu den BMG-Aussagen. Von Mitte Januar bis Mitte Februar etwa rechnete das RKI im vorgenannten Bericht mit 1.980 Hospitalisierten in der Altersgruppe 60 plus. Davon deklarierte es 1.024 als ungeimpft und 598 als „mit Auffrischimpfung“. 

In seiner letzten Berechnung an dieser Stelle im Wochenbericht vom 28. April bezeichnete es demnach 572 von 1.464 hospitalisierten über 60-Jährigen als ungeimpft, aber bereits 723 als „mit Auffrischimpfung“. Im folgenden Bericht vom 5. Mai erklärte das RKI schließlich, dass es „ab sofort keine regelmäßigen Information zur Wirksamkeit (…)“ mehr veröffentlichen werde. Hierzu folgte dann erstmals am 7. Juli dieses Jahres ein Monatsbericht. 

Fazit: Die Behauptung des Gesundheitsministeriums, wonach fünfmal mehr ungeimpfte über 60-jährige Corona-Patienten in den Kliniken lägen als mindestens dreifach Geimpfte, kann jedenfalls seit Januar dieses Jahres nicht stimmen. Und mehr noch: Diese Behauptung ist offenbar maßlos übertrieben. Eine Anfrage der Autorin dazu hat das BMG bisher nicht beantwortet. Sollte eine Antwort eintreffen, folgt ein weiterer Artikel dazu.

Ominöse „Daten aus den USA“ 

Darüber hinaus führt eine weitere Behauptung des BMG den Leser des „Fakten-Boosters“ ins Leere. So beruft sich das Gesundheitsministerium unter Karl Lauterbach (SPD) vage auf „Daten aus den USA“ als weiteren Beleg für eine angeblich nahezu 100-prozentige Wirksamkeit der Impfstoffe gegen schwere Verläufe. Problem: Die vermeintliche „Quelle“ ist nicht verlinkt und die der Autorin bekannten diesjährigen Daten der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC widersprechen der wie folgt lautenden BMG-Behauptung:

„Daten aus den USA zeigen: Mit drei Corona-Schutzimpfungen steigt der Schutz vor schweren Krankheitsverläufen auf nahezu 100 Prozent.“

Die Autorin hat das Bundesgesundheitsministerium am Mittwoch vormittag aufgefordert, die genannten „Daten aus den USA“, die es als Beleg für die behauptete Wirksamkeit von „nahezu 100 Prozent“ anführt, zu übermitteln und wartet auch hier auf eine Antwort.

Zu den (mangelhaften) Erhebungen aus Deutschland passt diese Behauptung des Gesundheitsministeriums jedenfalls nicht. Möglicherweise gab es eine Zeit zu Beginn der Massenimpfungen Anfang 2021, als man fünfmal mehr Ungeimpfte als Geimpfte in den Kliniken ermittelt hatte. Doch selbst wenn, wäre das heute vollkommen irrelevant, zumal damals in der Gesamtbevölkerung viel mehr Menschen ungeimpft waren als in diesem Jahr.

 

BMG musste bereits weitere Falschmeldung entfernen 

Einen kleinen Teil der Boosterkampagne musste das BMG bereits am 20. September von seiner Internetseite „zusammengegencorona“ nehmen. Denn das Online-Magazin Telepolis hatte eine weitere maßlose Übertreibung des Anteils Hospitalisierter aufgedeckt.

Das BMG hatte behauptet, 10 Prozent der an Corona Erkrankten müssten im Krankenhaus behandelt werden. Auch RT DE hatte darüber berichtet. Das Ministerium berief sich dabei auf einen „Epidemiologischen Steckbrief“ des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom November 2021 – also vor fast einem Jahr, mit noch älteren Daten.

Dass die behaupteten 10 Prozent insgesamt weit übertrieben sind, ergibt sich bereits aus der vom RKI Ende August, also zum Startzeitpunkt der Kampagne gemeldeten Gesamtzahl der seit 2020 erkannten Fälle (rund 32,15 Millionen) und der Gesamtzahl der bis dahin mit positivem Test Hospitalisierten (knapp 648.000). 

Demnach mussten bisher insgesamt nicht 10, sondern 2 Prozent der ermittelten Corona-Positiven in eine Klinik. Dabei ist die definitiv vorhandene, aber unbekannte Dunkelziffer nicht einbezogen. Auch der Anteil der zufällig positiv Getesteten mit anderen Erkrankungen in den Kliniken ist nach wie vor unklar.

Ein Abgleich mit den aktuelleren Daten dieses Jahres offenbart eine noch größere Diskrepanz zu der Behauptung des Ministeriums, 10 Prozent der Corona-Erkrankten würden hospitalisiert. Die Tagesberichte des RKI geben jeweils die aufgerechneten Daten der seit 2020 positiv Getesteten sowie der mit Corona Hospitalisierten an. 

Demnach wurden vom 4. Januar bis 31. August 2022 gut 24,9 Millionen Menschen neu positiv getestet. Im gleichen Zeitraum kamen 264.100 Menschen mit positivem Test in ein Krankenhaus, also rund 1 Prozent. Wobei auch davon ein relevanter Teil der Betroffenen wegen einer anderen Ursache in der Klinik gewesen und nur zufällig positiv getestet worden sein dürfte.

Regierung belügt Bevölkerung 

Die neue Impfkampagne der Bundesregierung enthält daneben noch mehr fragwürdige Aussagen. So wird beispielsweise die Panik verbreitende Behauptung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zitiert, wonach eine Corona-Infektion „zu Hirnschäden und schlimmstenfalls Demenz“ führen könne – ohne irgendwelche Studien dazu zu benennen. 

Das Problem ist aber auch Folgendes: Online wären die Falschbehauptungen leicht zu entfernen. In den Printausgaben der Tageszeitungen kursieren sie seit vielen Wochen und werden wahrscheinlich auch weiterhin verbreitet werden. In vielen Köpfen dürften die falschen Informationen längst hängen geblieben sein. 

Und es ist nicht irgendwer, der hier nachweisliche Lügen verbreitet, sondern die Bundesregierung – die selbst ständig vor „Fake News“ warnt und anderen deren Verbreitung vorwirft. Mit anderen Worten: Die Bundesregierung belügt die Bevölkerung, um ihnen eine – durchaus fragwürdige und nachweislich nebenwirkungsreiche – medizinische Behandlung schmackhaft zu machen.

Mehr zum Thema – Schwerer Vorwurf von Wissenschaftlern: Verschleiert das PEI Impfrisiken?

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