Erzeugerpreise: Deutschland droht Deindustrialisierung

Das Statistische Bundesamt teilte mit, dass die Erzeugerpreise für gewerbliche Produkte in Deutschland im August um 45,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind. Experten hatten zuvor mit einem geringeren Anstieg gerechnet. Preistreiber waren vor allem die Kosten für Energie, die sich auf Jahressicht mehr als verdoppelt haben. 

Für die Inflationsaussichten verheißt das nichts Gutes. Die Erzeugerpreise nehmen die Inflationsentwicklung vorweg. Die Preissteigerungen in der Herstellung werden an die Verbraucher weitergegeben. Die auf Export orientierte deutsche Industrie büßt durch die hohen Energiepreise in Deutschland an internationaler Wettbewerbsfähigkeit ein. 

Für die deutsche Industrie ist die Preisentwicklung ein Alarmsignal. Wie zahlreiche Medien übereinstimmend berichten, reagieren zahlreiche Betriebe bereits mit Produktionskürzungen. 

Die Düngemittelbranche hat 70 Prozent ihrer deutschen Produktion zurückgefahren oder stillgelegt, meldete das Handelsblatt. Allerdings ist die Branche damit nicht allein. Energieintensive Unternehmen stehen vor der Entscheidung, entweder zu schließen oder ins Ausland abzuwandern, wo die Preise für Energie niedriger sind. Das Handelsblatt zitierte als Quelle einen Unternehmensberater, der ungenannt bleiben möchte. Er werde seit Wochen fast ausschließlich mit Betriebsstilllegungen beauftragt.    

Wegen der durch die westlichen Sanktionen steigenden Energiepreise droht Deutschland faktisch die Deindustrialisierung. Im Fall von Betriebsschließungen und Abwanderung ist die Entwicklung nicht ohne Weiteres umkehrbar. Noch halten viele Betriebe trotz faktischer Verluste in der Hoffnung auf eine Trendumkehr ihre Produktion aufrecht. Dies ist jedoch nur zeitlich eng begrenzt möglich. Sollten die Trendumkehr ebenso ausbleiben wie staatliche Unterstützung in notwendigem Umfang, droht eine Pleitewelle enormen Ausmaßes, die schwere Folgen für den Standort Deutschland haben wird, ist man sich in Fachkreisen einig. Insbesondere der Mittelstand ist betroffen, der nicht die Möglichkeit zu einer einfachen Produktionsverlagerung an schon bestehende Standorte im Ausland hat. 

Sollte die deutsche Politik ihre Energiepolitik nicht ändern, werden energieintensive Schlüsselindustrien wie die Aluminiumindustrie aus Deutschland verschwinden, warnte beispielsweise der Präsident des Gesamtverbandes der Aluminiumindustrie, Hinrich Mählmann.  

Die Industrie- und Handelskammer Schwaben wandte sich mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit. In einer Umfrage unter ihren Mitgliedern habe die IHK ermittelt, dass jeder dritte Betrieb in Industrie und Bauwirtschaft von Produktionsausfällen und -einschränkungen betroffen sei. Jeder vierte Betrieb sieht das eigene Geschäftsmodell in Gefahr. Zusätzlich zu den hohen Energiekosten sind weiterhin unterbrochene Lieferketten ein Problem für die deutschen Produzenten. Es scheint, als würde sich der perfekte Sturm zusammen brauen. 

Im Fall zahlreicher Schließungen von Standorten drohen Kaskadeneffekte, die ganze Regionen betreffen werden. Der Industriestandort Deutschland ist in Gefahr. 

Den Sorgen der deutschen Industrie könnte mit einer Lockerung oder einer Aufhebung der Sanktionen leicht Rechnung getragen werden. Doch zu einem solchen Schritt ist deutsche Politik nicht bereit. 

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