Doppelstandard im Westen: Orchestrierte Kampagne für Proteste und Mob-Gewalt in Iran

Von Seyed Alireza Mousavi

In den letzten Tagen wurden aus Iran Unruhen mit zahlreichen Toten gemeldet, nachdem eine junge Frau in der Hauptstadt Teheran von der „Moralpolizei“ wegen eines „unangemessenen Outfits“ festgehalten worden war. Mahsa Amini brach unter ungeklärten Umständen auf der Polizeiwache zusammen und wurde drei Tage später im Krankenhaus für tot erklärt.

Der dramatische Tod der 22-Jährigen hat in Iran Proteste ausgelöst, wobei westliche Meinungsmacher in einer groß angelegten Medienkampagne versucht haben, ihr eigenes Narrativ zu diesem Vorfall zu verbreiten. Laut Darstellung westlicher Medien sei Mahsa im Gewahrsam der sogenannten „Moralpolizei“ gestorben, während es bei iranischen Medien unter der Berufung auf der ersten medizinischen Ermittlungen hieß, die junge Frau sei ohne Fremdeinwirkung an Herzversagen und aufgrund der Vorerkrankungen verstorben sei. Präsident Ebrahim Raisi hatte bereits vor seinem Abflug nach New York Ermittlungen zum Tod Mahsas in die Wege geleitet und mit der Familie der Verstorbenen telefoniert.

Laut iranischen Behörden ist das Ziel der sogenannten „Moralpolizei“ die Bewahrung der gesellschaftlichen Ordnung, die an Werte und Traditionen des Landes gebunden ist. Sobald man öffentliches Ärgernis erregt, wird das Thema „Kleidervorschrift“ für die Gesellschaft in Iran relevant. Wobei innerhalb der iranischen Führung das Konzept „Moralpolizei“ ein umstrittenes Thema ist, das Befürworter und Gegner hat. Die Regelungen zur Frauenkleidung sind zudem in letzter Zeit so locker interpretiert worden, dass die Frauen mit einem durchsichtigen Schal, der einen Großteil des Haares sichtbar lässt, in die Öffentlichkeit gehen können.

Der Tod von Mahsa hat in letzten Tagen reichlich Stoff für Iranphobie gegeben, wobei die westliche Medien versucht haben, aufgrund der kurdischen Herkunft der Verstorbenen separatistische Aktivisten in ihrer Berichterstattung aufzuwerten. Das ist insofern kein Zufall, als sich in den vergangenen Tagen in der Provinz Kurdistan und den Grenzgebieten eine gewaltige Protestwelle entfaltet hat. Der iranische Geheimdienst hat nach eigenen Angaben bei den Protestdemonstrationen mehrere Bombenanschläge vereitelt. Kurdische Milizen und Mitglieder terroristischer Organisationen sollen in letzten Tagen an Angriffen auf Polizisten und Sicherheitskräfte beteiligt gewesen sein.

Dabei ist anzumerken, dass die Hauptquelle der westlichen Medien bei ihrer Nachrichtenbeschaffung über die Proteste in Iran der in London ansässige persischsprachige Satellitensender Iran International gewesen ist, der direkt von Saudi-Arabien und Mohammed bin Salman gefördert wird. Der saudische Sender zielt darauf ab, Aktivitäten von Separatisten in Iran zu propagieren und das Konzept Iran als kollektive Identität zu hinterfragen.

Die Hauptelemente der Proteste in Iran waren in den letzten Tagen laut Beobachtern vor Ort organisiert worden, um Störungen und Chaos in den Städten zu stiften: die iranische Flagge zu verbrennen, Diesel auf die Straße zu schütten, Steine zu werfen, die Polizei anzugreifen, Motorräder und Mülltonnen anzuzünden sowie öffentliches Eigentum zu zerstören. In einem Fall wurde ein Polizist von einem wütenden Mob angezündet, wobei er später seinen Verletzungen erlag.

Den westlichen Führungen scheint der Tod Mahsas gelegen zu kommen, um mehr Drück auf Iran auszuüben. Der Westen setzt seit dem Ukraine-Krieg alles daran, Iran durch eine gesteuerte Farbrevolution zu destabilisieren und die antiwestliche Front auf geopolitischer Ebene zu schwächen. Vor allem ist der globale Westen aufgrund der neuen Entwicklungen in Panik geraten: Bei dem Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) wurde kürzlich Iran als neues Vollmitglied aufgenommen. Die SOZ wird als Gegengewicht zu den vom Westen dominierten Organisationen wie der NATO eingestuft. Teheran hat zugleich faktisch seine Neutralität im Ukraine-Krieg aufgegeben und Drohnen an Russland geliefert. In der iranischen Führung setzt sich langsam die Ansicht durch, dass die NATO bis an die Grenze Irans im Nordkaukasus vorrücken würde, wenn Russland den Krieg in der Ukraine verlieren sollte. Die NATO befürchtet, dass iranische Drohnen im operativen Tagesgeschäft an der Front ein „Gamechanger“ werden könnten.

Bei der Medienkampagne im Westen um Mahsas Tod geht es sich nicht um die Unterstützung der Frauenrechte, sondern um die Schwächung Irans. Um das zu beweisen, reicht es, auf einen anderen aktuellen Vorfall hinzuweisen, der die Doppelmoral des Westens entlarvt: Ein 15-jähriges Mädchen namens Zainab Essam Al Khazali wurde am 20. September vom US-Militär in einem Vorort von Bagdad bei einer Militärübung erschossen, aber nicht einmal ein einziges westliches Medienunternehmen berichtete über den Todesfall. Für den Westen gibt es einen enormen Unterschied zwischen dem Tod von Mahsa und dem von Zainab. Der erste Vorfall kann die Hegemonie der USA aufrechterhalten, selbst wenn die Meinungsmacher im Westen bei ihrer Berichterstattung über Tod von Mahsa eine Quelle aus einem Land zitieren, das reaktionäre Ideologie wie den Wahhabismus fördert.

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