Deutschland zahlt für Pax Americana: Chemiekonzerne und Volkswagen wandern in die USA aus

Von Dmitri Petrowski

Einige wenige Russen fliehen die jüngst im Land verhängte Teilmobilmachung – momentan größtenteils nach Georgien und Kasachstan. Auf der Flucht sind aber auch die Deutschen. Dies allerdings nicht auf Fahrrädern, sondern gleich fabrik-, werks- und konzernweise.   

Im Wall Street Journal erschien ein überaus Neugier erregender Artikel darüber, dass die Umsiedlung deutscher Chemieunternehmen in die USA begonnen hat. Also – wie geruhen …? Sind denn die chemische und pharmazeutische Industrie nicht zwei der wichtigsten Wirtschaftszweige Deutschlands? Ähnliche Information erschien auch im deutschen Handelsblatt, nur dass dort stattdessen der gesamte Volkswagenkonzern thematisiert wurde. Dessen Management erklärte, dass es in die USA umziehen muss, wenn die Energiepreise in Europa auf demselben Niveau bleiben.

Und jetzt stellen Sie sich einmal vor: Einer der berühmtesten Automobilhersteller der Welt, ein Gesicht, wenn nicht sogar das Gesicht Deutschlands, könnte das Land verlassen.

„Ja was ist denn los mit dir, Champion?“,

will man an dieser Stelle fragen. Nun aber mal wirklich: Was genau ist hier los? Seit Februar ist Europa erstens gezwungen, fast alle seine Waffen an die Ukraine zu liefern, um den Krieg dort anzuheizen. Zweitens wurde Europa gezwungen, Sanktionen gegen Russland zu verhängen, was zu einer beispiellosen Energiekrise führte. Und nun ist etwas „noch nicht ganz Klares“ mit zwei Erdgaspipelines auf dem Meeresgrund passiert, wofür den USA zu danken, Polens ehemaliger Außenminister und Europaabgeordneter Radek Sikorski bereits Zeit fand.

„Wer profitiert?“ ist eine abgedroschene Formel, die sich sogar schon oft selbst diskreditierte. Aber gerade jetzt ist die beste Zeit, sich an sie zu erinnern. Europa ohne Wärme, Europa ohne Strom und jetzt auch noch ohne Geld. Ich frage mich, ob die EU-Bürger bereit sind, einen solchen Preis für die Pax Americana zu zahlen? Klar sind sie bereit. Und werden sie einmal bockig, kann man sie stets mit Schauermärchen von einer russischen Bedrohung zur Disziplin ermahnen.

Übersetzt aus dem Russischen.

Dmitri Petrowski, Jahrgang 1983, ist ein russischer Roman– und Drehbuchautor sowie Publizist. Er studierte deutsche Philologie in Sankt Petersburg und Berlin, wo er ab dem Jahr 2002 lebte. Im Jahr 2018 kehrte er nach Russland zurück. Er arbeitete bei den Zeitungen Russkaja Germanija und Russki Berlin sowie als Programmdirektor bei einem Berliner russischsprachigen Radiosender und ist Kolumnist bei RT und Life.ru.

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