Pandemie der Unbehandelten? Hirschhausen bestätigt Existenz des Post-Vac-Syndroms

Von Bernhard Loyen

Dr. Eckart von Hirschhausen gilt seit Beginn der Corona-Krise im Jahre 2020 als einer der vehementesten Unterstützer der politisch verordneten Maßnahmen. Von Hirschhausen ist offizieller Botschafter für „Globale Gesundheit der Agenda 2030 für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)“. Zudem ist er als regelmäßiger Gast wie auch prominenter Darsteller diverser Fernsehformate, unter anderem als Fernsehmoderator, Kabarettist und Comedian, nachweislich ein geschätzter wie beliebter Medienprofi.

Des Weiteren hat er über 20 Bücher und Hörbücher veröffentlicht, so im Juni 2021 „Das Impfbuch für alle“, eine Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut (RKI) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Auflage: drei Millionen kostenfrei erhältliche Exemplare. Seine persönliche Meinung und dementsprechende Einschätzungen und Äußerungen erzielen daher eine nicht zu unterschätzende, aber auch beabsichtigte gesellschaftliche Wirkung. So hieß es noch im März 2022: „Der Mediziner und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen wird zum Gesicht der Corona-Impfkampagne der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW).“

In den Jahren 2020 bis 2022 unterstützte von Hirschhausen jede Regierungskampagne zum Thema Corona und produzierte mit der ARD dementsprechende Formate mit den Titeln: „Hirschhausen auf Intensiv„, „Hirschhausen als Impfproband“ und „Corona ohne Ende?“ In der vierten Produktion: „Hirschhausen und Long-COVID – die Pandemie der Unbehandelten“ erfolgt in der Mitte der Sendung die nun doch überraschende Darstellung einer bis dato nur zögerlich aufgearbeiteten Realität in den öffentlich-rechtlichen Medien: die Existenz massiver Impfnebenwirkungen, unter denen eine weiterhin unbekannte Zahl von Bürgern nach Erhalt eines COVID-19-Wirkstoffs zu leiden hat; sie dürfte im vierstelligen Bereich liegen. Im „Impfbuch für alle“ schreibt von Hirschhausen zu diesem Thema auf Seite 35:

„Bei einer Impfung liegt der Fall anders. Denn der Impfling ist meist nicht krank – sondern ein völlig gesunder Mensch. Dieser Mensch will sich vor etwas schützen und er soll seine Mitmenschen dabei mit schützen.“

Die bedenklichen Erkenntnisse aus den zurückliegenden Monaten belegen: Ein Fremdschutz ist nicht zu 100 Prozent vorhanden. Zudem existiert eine stetig wachsende Zahl ehemals gesunder Menschen, die nach Erhalt von einer oder mehreren COVID-19-Impfungen lebenseinschränkend bis lebensbedrohlich erkrankten. Dazu erklärt von Hirschhausen nun in der aktuellen Dokumentation den Zuschauern:

„Und in der Recherche stoße ich auf ein weiteres unterschätztes (sic!) Problem. In sehr, sehr seltenen Fällen kann die Corona-Impfung selbst Long COVID auslösen. Das Post-Vaccine-Syndrom (auch Post-Vac-Syndrom).“

Nein, keine Sensation, aber doch ein erstaunliches Zeichen, dass die ARD-Redaktion sich mit dem „Impfluenzer“ von Hirschhausen darauf einigen konnte, dieses Thema in den Beitrag einzubauen. Über fast zwei Jahre wurden entsprechende Warnungen in den öffentlich-rechtlichen Medien untersagt, unterbunden, bekämpft und mutwillig vorenthalten. Eine Wahrnehmung von Hirschhausens aus dem März 2021 lautet (wiedergegeben wie im Original):

„Er ist Wissenschaftsjournalist, TV-Moderator, seit kurzem Impfproband und gilt als vielleicht bekanntester Mediziner des Landes (…). Der Wissenschaftsjournalist Dr. von Hirschhausen plädiert dafür, die Hygieneregeln auf den Informationsaustausch zu übertragen und fragwürdige Informationen nicht – analog zu Viren – unkontrolliert weiterzuverbreiten: ‚Tragt nicht bei zur Verwirrung und zum Bullshit.‘

Im Podcast stellt er klar: ‚Impfen ist sinnvoll, es ist sicher, es ist solidarisch‘. Dem Mediziner zufolge gäbe es kaum einen Impfstoff, der so umfangreich und an derart vielen Personen getestet wurde wie die Corona-Impfstoffe. Menschen mit Zweifeln rät er, drei Aspekte abzuwägen: Was sind Wirkung oder Nutzen? Was sind die Risiken? Was ist der Preis des Unterlassens?“

Framing: Von der „Pandemie der Ungeimpften“ zur „Pandemie der Unbehandelten“

Von Hirschhausen klingt heute vorsichtiger, nachdenklicher und abwägender. Gründe dafür sind seine eigenen Erfahrungen mit einer Corona-Infektion. Mitte März 2022 wurde bei ihm eine „Akutinfektion“ festgestellt, „mitten in der Drehzeit“, verrät von Hirschhausen in der aktuellen Dokumentation:

von Hirschhausen dokumentiert seine Corona-Infektion und beschreibt Gerinnungsstörungen, die er LongCovid zuschreibt. Sind Gerinnungsstörungen nicht auch eine Nebenwirkung der Impfung? Ist er nicht mehrfach geimpft? pic.twitter.com/Eb7z92faBa

— Bastian Barucker (@BBarucker) September 24, 2022

Er äußert die große persönliche Angst vor dem Long-COVID-Phänomen. Ob er geimpft ist, lässt sich nicht recherchieren, da sich zum Beitrag „Hirschhausen als Impfproband“ die Information findet, dass von Hirschhausen in einer Placebo-Gruppe war, also zweimaliger Proband ohne Wirkstoff. Im Januar 2022 schrieb er in einem Gastbeitrag für den Spiegel (Bezahlschranke):

„Das Wichtigste in einer Krise ist es, erst mal zuzugeben, dass man eine hat. Auch ganz persönlich. Ich zum Beispiel habe es nicht geschafft, eine Frau aus meinem privaten Umfeld und ihre Familie zu überzeugen, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen.“

Welche Krise muss aber ein Mensch erst erleben, der einer gesunden Familie die COVID-19-Impfung dringlichst empfahl, jetzt aber verantwortlich ist für das tägliche Leiden eines der Familienmitglieder durch das Post-Vac-Syndrom? Er schreibt im Spiegel-Beitrag: „Segensreicher Weise gibt es viele großartige aufklärerische Projekte mit Faktencheckern, Richtigstellern und Aufklärern.“ Und wenn sich nun herauskristallisiert, dass die sich in einer Aufarbeitung in Teilen geirrt haben und nicht Teile der Verfasser von Inhalten des „viralen Bullshit“? Der anerkannte Immunologe Professor Andreas Radbruch fasst aktuell in einem 3sat-Beitrag zusammen:

„Wir verstehen immer noch nicht, was der Unterschied ist zwischen Schleimhautimmunität und dem Schutz vor schwerer Erkrankung. Und wir verstehen auch nicht, warum die Menschen so unterschiedlich auf genau den gleichen Impfstoff oder das gleiche Virus reagieren.“

Bei keinem der geschilderten Fälle der ARD-Dokumentation zu Long COVID erfährt der Zuschauer, ob die dargestellten Protagonisten sich impfen ließen, natürlich bis auf die Schilderung des tragischerweise vom Post-Vac-Syndrom Betroffenen. Die Erfahrungen der Wissenschaft belegen jedoch mittlerweile, dass die Symptomatik dreier chronischer, also länger anhaltender Beschwerden Kreuzungspunkte bei den Beschwerden aufweisen: Long COVID, das sogenannte ME/CFS (Chronisches Fatigue-Syndrom) und, nun auch durch Dr. von Hirschhausen bestätigt, das Post-Vac-Syndrom. Laut der Dokumentation ist Long COVID „eine Krankheit mit bis zu 200 möglichen Symptomen“. Sehr viel Raum für noch mehr Interpretationen.

Die Recherche ergibt, dass zum Beispiel im ersten geschilderten Fall das junge Mädchen (Zitat aus der Doku: „Im vergangenen Winter haben sich besonders viele Kinder und Jugendliche infiziert, mehr als andere Altersgruppen“) geimpft war. Diese mehr als wichtige Information aber wird den Zuschauern vorenthalten. Die Mutter ist taz-Redakteurin und informierte wiederum laut Recherche des Autors Bastian Barucker in einem taz-Artikel im März 2022: „Vor zehn Wochen ist meine Familie an COVID-19 erkrankt. Alle waren voll geimpft, keiner hatte einen schweren Verlauf.“

Am 14. September 2022 behauptete Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach in einem Twitter-Beitrag:

„Impfungen verhindern nach jetzigen Stand der Wissenschaft Long COVID. Besser BA.5 Impfung als BA.5 Infektion.“

Besser? Er schreibt nicht „können verhindern“, sondern „verhindern“. Erneut eine mehr als gewagte Formulierung eines verantwortlichen Ministers. Prof. Bernhard Schieffer, Direktor am Universitätsklinikum Marburg und Leiter einer Long-COVID-Ambulanz, wird in einem Artikel aus dem August 2022 mit den Worten zitiert:

„Post-Vac und Long COVID sind prinzipiell dasselbe. Wir sehen keinen Unterschied: Im Grunde handelt es sich um Long COVID – nur eben nicht nach der Infektion, sondern aufgrund der Impfung.“

Von Hirschhausen formuliert (noch) etwas ARD-probater:

„Was mich wirklich beunruhigt, ist dieses Unwissen über den Zusammenhang zwischen Impfung und potenziell Long COVID.“

Die dazu befragte Immunologin Prof. Carmen Scheibenbogen von der Berliner Charité gibt immerhin zu, dass „keinen sauberen Zahlen“ existieren: „Ich glaube, da ist auch ein gewisser Nachholbedarf.“ Der ARD-Zuschauer lernt dazu. Prof. Scheibenbogen wörtlich:

„Ich glaube, viele Ärzte scheuen sich auch davor, das laut zu sagen, weil sie natürlich (sic!) Angst haben, dass die Argumente den Impfgegnern dienen: ‚Wir haben es ja schon immer gesagt, die Impfung ist gefährlich.‘ Das ist natürlich nicht so.“

Nicht? Im Fall eines jungen Mannes mit Post-Vac-Syndrom nach COVID-19-Impfung berichtet der Vater:

„Der (Sohn) hatte zum Schluss im Krankenhaus sieben Herzanfälle, an einem Tag. (…) Er hätte das nicht mehr überlebt.“

Gerettet hat den jungen Mann eine Blutwäsche, die die Familie in Höhe „von über 10.000 Euro“ selbst bezahlen musste, da die Krankenkasse die Kosten nicht übernehmen wollte. Die Begründung laut der Dokumentation:

„Es fehlen Studien zum Argument der Blutwäsche.“

Der prominente „wohl bekannteste Mediziner des Landes“ intervenierte daraufhin bei der zuständigen Kasse. Diese bewilligte dann eine Kostenübernahme. Das ist lobenswert und sehr schön für die betroffene Familie, es macht sich gut für von Hirschhausen und die ARD, aber welcher betroffene Normalbürger kann sich auf einen wirkungsvollen Medienprofi berufen? Auch von Hirschhausen unterzog sich einer Blutwäsche. Die Kosten kann er sich finanziell entspannt allein leisten, da der regelmäßige Blick auf die Seite der Bill- und Melinda Gates Foundation zeigte: Der engagierte Herr von Hirschhausen erhielt nach knapp 1,4 Millionen Euro im März 2021 und im Mai 2022 nochmals rund 400.000 Euro für seine Stiftung.

Immerhin, von Hirschhausen scheint nachhaltig beeindruckt. Patienten wie der junge Mann mit benötigter Blutwäsche „werden in der Gesellschaft kaum gesehen. Wir setzen das Thema im Prinzip aus – inklusive des Paul-Ehrlich-Instituts, die davon nichts wissen wollen“, beklagt er laut einem Artikel des Stern. Markige Worte für einen Regierungs- und Medien-Impfluenzer. Der Stern-Artikel ist bereits aus dem Juni 2022 – die Dokumentation hingegen seit dem 29. Juni nur für Wissende und Suchende in der ARD-Mediathek versteckt. Im ARD-Abendprogramm wurde der Beitrag noch nicht gesendet. Gibt es Gründe?

Möglicher Grund Nummer 1: Auch Lauterbach wird in dem Beitrag interviewt. Die kritischen Zwischentöne von Hirschhausens passen aber überhaupt nicht gerade in die schleppend anlaufende Werbekampagne für die „bivalenten Impfstoffe“, die mittlerweile ans Tageslicht gekommen sind. Gab es Interventionen mit der Bitte einer verzögerten Ausstrahlung? Offiziell ist die Queen daran schuld. So informiert die ARD auf den Hinweis eines Zuschauers, dass „wegen der Trauerfeier für Königin Elisabeth II. die Ausstrahlung entfiel“ und dass „nach derzeitigem Stand am 17. Oktober 2022 um 20:15 Uhr“ der Sendetermin nachgeholt wird. „Nach derzeitigem Stand“?

Zum Thema Post-Vac-Syndrom befragte von Hirschhausen Minister Lauterbach irritierenderweise nicht. Der bestätigte aber auf die Frage, ob Deutschland aktuell „eine Pandemie der Unbehandelten“ habe, zumindest, je nach Blickwinkel und Betrachtung: „Ja, das ist definitiv so.“ Im Mai 2022 hat die Bundesregierung fünf Millionen Euro für die Erforschung von Long COVID und ME/CFS zur Verfügung gestellt. Dazu heißt es auf der Seite der Bundesregierung: „Forschungsprogramm zu Corona-Spätfolgen: Long COVID auf der Spur“. Korrekt müsste es jedoch heißen: Forschungsprogramm zu Corona- und Corona-Impfungs-Spätfolgen.

Mehr zum Thema – Eckart von Hirschhausen: Systemrelevant oder Systemling?





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