Melnyk geht – schade, dass er seine Freunde nicht mitnimmt

Von Dagmar Henn

Jetzt geht er also endlich, der ukrainische Giftzwerg Melnyk. Und die deutsche Presselandschaft scheint ihm geradezu nachzuweinen. Einen „Lebensretter seines Landes“ nennt ihn die Tagesschau, der die Deutschen „zwang“, „in den Spiegel zu schauen“, und mit den „Irrtümern der Vergangenheit“ konfrontierte. Er habe „für Wirbel gesorgt“ (t-online), sei als „leidenschaftlicher Vertreter ukrainischer Interessen“ aufgetreten (Berliner Zeitung), sei „der vermutlich bekannteste Diplomat, den die Bundesrepublik jemals erlebt hat“ (ntv), der sich „mit oft harter Kritik an der Bundesregierung einen Namen gemacht hat“ (BR).

Melnyk, der gleich bei Amtsantritt vor bald acht Jahren mit seinem Besuch am Grab des ukrainischen Faschisten Stepan Bandera seine Gesinnung klar zu erkennen gab, der herumpöbelnde Russenhasser, der Bundeskanzler Olaf Scholz eine „beleidigte Leberwurst“ nannte und immer nur eines kannte, Waffen fordern, mehr Waffen und noch mehr Waffen. Dass das einer Rüstungslobbyistin wie Strack-Zimmermann recht ist, muss nicht verwundern. Aber warum tun sie jetzt alle so, als sei dieser als Diplomat offenkundig völlig unqualifizierte Nazipropagandist eine Person, die man achten müsse, die man sogar vermissen könne?

Das wirklich Eigenartige daran ist, dass von den acht Jahren, in denen Melnyk das ukrainische Regime als Botschafter vertrat, nur die letzten Monate zu existieren scheinen. Dabei liegen davor all die Jahre, in denen Deutschland Garantiemacht der Minsker Vereinbarungen war und in denen ein Andrei Melnyk als Kanal hätte dienen müssen, um den zur Umsetzung dieser Vereinbarungen erforderlichen Druck auf Kiew auszuüben. Hätte es diesen Druck gegeben, hätte sich je eine Bundesregierung darum bemüht, tatsächlich einen Weg heraus aus diesem Krieg zu bahnen, der vor acht Jahren im Donbass begann, Melnyk wäre nie auf den Gedanken gekommen, sein Lied von Waffen, Waffen, Waffen anzustimmen.

Und natürlich war er nie Vertreter ukrainischer Interessen, denn die wirklichen Interessen der Menschen in der Ukraine, die objektiven Interessen, bei denen es um Möglichkeiten einer wirtschaftlichen Entwicklung geht, um eine Perspektive eines friedlichen Zusammenlebens all der unterschiedlichen Gruppen der Bevölkerung, die hat er nie vertreten. Er stand immer nur für die Interessen der Oligarchenclique, die in Kiew die Macht innehat. Und wenn man verstehen will, wie diese Bande tickt, muss man nur daran erinnern, dass der ehemalige Präsident Petro Poroschenko, der den Krieg im Donbass begann, nebenbei auch der größte Sargproduzent in der Ukraine war. Unmittelbarer lässt sich die Differenz zwischen den Interessen der gewöhnlichen Bürger und der herrschenden Truppe nicht illustrieren.

Hätte man in Berlin auch nur ansatzweise die Minsker Vereinbarungen umsetzen wollen, dieser Melnyk hätte es niemals zum deutschen Medienstar geschafft. Denn er ist die fleischgewordene Sabotage jedes Wegs zum Frieden; der Widerspruch, den die deutsche Presse in ihrer Abschiedsbetrachtung behauptet, zwischen seiner „leidenschaftlichen Vertretung ukrainischer Interessen“ und seiner Verehrung für den Nazikollaborateur Bandera, ist keiner.

Man redet in Deutschland ungern über die Vorgeschichte, aber wenn es um die wirklichen ukrainischen Interessen geht, kommt man nicht darum herum. Vor allem nicht um die Frage des Kooperationsabkommens mit der EU. Denn dieses Abkommen bedeutete nicht nur, dass die ukrainische Wirtschaft ihren Exportmarkt in Russland verlor; es bedeutete zudem, dass die Ukraine zwar Absatzmarkt für die EU wurde, selbst aber keine Möglichkeit hatte, in die EU zu exportieren, weil die dafür erforderlichen Investitionen zur Einhaltung der europäischen Normen zu hoch waren. Die Entscheidung des damaligen Präsidenten Janukowitsch, dieses Assoziierungsabkommen nachzuverhandeln, die dann dazu führte, dass mit viel US- und EU-Unterstützung der Maidan vom Zaun gebrochen wurde, war die letzte Entscheidung, die tatsächlich im Interesse der Ukraine war.

Melnyk vertrat also, objektiv, immer die Interessen der NATO beziehungsweise die Interessen der Kriegstreiber in Washington und der ukrainischen Bandera-Anhänger, zu denen er gehört.

Aber die wirklichen Interessen der Ukraine beziehungsweise der dort lebenden realen Menschen haben in der deutschen Politik und für die deutschen Medien noch weniger Bedeutung als der Wille ihrer Wähler für die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock. Es wurde ja durchaus offen ausgesprochen, etwa von Florence Gaub, dass das Ziel der NATO in der Ukraine darin besteht, Russland den größtmöglichen Schaden zuzufügen. Wie viele Ukrainer für dieses Ziel verheizt werden, spielt keine Rolle. Das wird auch bis heute, trotz des lauten Geschreis über den „schrecklichen Krieg“ und Dutzender blanker Lügen wie über russischen Beschuss auf das Kraftwerk Energodar, nicht erwähnt. Als wären all diese Toten nicht tot, wären nicht Söhne, Brüder, Männer, Väter; sie sind nur Werkzeuge für ein geopolitisches Spiel, das aus dem Westen gespielt wird. Und derjenige, der der willigste Knecht ist, dem die Bevölkerung, die er vertreten sollte, mindestens so gleich ist wie der bundesdeutschen Regierung die ihre, ist besonders willkommen.

Man rümpft immer noch ein wenig die Nase über den Hautgout, den diese Truppen verströmen, aber wenn Melnyk zum Abschied keinen Tritt erhält (den er allein schon wegen seiner Verletzung jeder diplomatischen Verhaltensregel verdient hätte), sondern Lobgesängen lauschen darf, dann ertönen diese nicht, obwohl, sondern weil er ein Faschist ist. Weil er auch den Vertretern der deutschen Journaille den Raum öffnete, offen ihrer Verachtung für die slawischen Untermenschen zu frönen und sich an der Fantasie einer Vergeltung für Stalingrad zu erfreuen; weil er ihnen die Ausrede lieferte, es ginge tatsächlich um die Ukraine und nicht von Anfang bis Ende nur um die NATO und die westliche Dominanz.

Ein wirklicher Botschafter der Ukraine hätte um die Umsetzung der Minsker Vereinbarungen ringen müssen, statt die Tür immer noch weiter für die NATO, ihre Waffen und ihr Personal zu öffnen. Wirkliche Botschafter wird die Ukraine erst wieder haben, wenn diese Macht in Kiew, dieses Kompradoren-Regime verschwunden ist, gleich, ob als eigenständiger Staat oder eben als Teil Russlands. Ein wirklicher Botschafter behandelt die Jugend seines Landes nicht wie Vieh, das nicht schnell genug zur Schlachtbank getrieben werden kann. Und wirkt nicht begeistert daran mit, für fremde Interessen einen Krieg vom Zaun zu brechen.

Aber eines muss man zugeben – der Berliner Politbetrieb hatte sich etwas wie Melnyk ehrlich verdient. Er ist Fleisch von ihrem Fleische, menschenverachtend, machtbesessen und von der eigenen Überheblichkeit verblendet wie die Berliner Regierungstruppe und ihre schreibenden Claqueure. Würden sie doch nur alle nach Kiew entschwinden.

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