Scheitern die E-Auto-Pläne der EU am Lithium?

Die europäische Chemiebehörde ECHA hat bei der Europäischen Kommission den Vorschlag eingereicht, Lithiumkarbonat, -chlorid und -hydroxid als für die menschliche Gesundheit gefährliche Chemikalien zu klassifizieren.

Nach Meldung von Reuters geben derzeit die EU-Mitgliedsstaaten ihre Stellungnahmen dazu ab, und Anfang Juli wird es eine Sitzung eines Komitees dazu geben. Ende 2022 oder Anfang 2023 soll die endgültige Entscheidung fallen.

Diese Entscheidung ist von entscheidender Bedeutung, weil Lithium der Hauptrohstoff für die Elektroautos ist. Nach den Plänen der Europäischen Kommission soll der Bedarf an Lithium bis zum Jahr 2030 achtzehnmal so hoch sein wie heute, und bis zum Jahr 2050 schon das Sechzigfache erreicht haben.

Die in Charlotte im US-Staat North Carolina ansässige Firma Albemarle, die unter anderem in Langelsheim bei Goslar produziert, ist auf Lithium, Bromide und Katalysatoren spezialisiert. Ihre Lithium-Erzeugung ist eine der größten weltweit und trägt über 40 Prozent zum Gesamtumsatz bei.

Eine Einstufung der Lithiumverbindungen als für den Menschen gefährlich hätte die Einstellung der Produktion am deutschen Standort zur unmittelbaren Folge, eine Unterbrechung der Lieferkette für die deutsche Produktion von Elektroautos und letztlich das exakte Gegenteil dessen, was zur Umsetzung des geplanten Verzichts auf Verbrennermotoren erforderlich wäre.

Bis zum Jahr 2030, so die eigentliche Planung der Europäischen Batterie-Allianz, sollten 89 Prozent des erwarteten Batteriebedarfs innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten gedeckt werden und für 11 Millionen Fahrzeuge jährlich genügen. Der Vorschlag der ECHA könnte diese Planung mit einem Schlag zunichtemachen. Zurzeit sind in diversen EU-Ländern Anlagen zur Batterieproduktion im Bau, die womöglich alle entsprechend umgebaut werden müssten, sofern sich die Produktion auf EU-Gebiet dann noch lohnt.

Gegenüber Reuters äußerte sich ein Vertreter von Albemarle zu den Konsequenzen:

„Albemarle wäre nicht länger imstande, unseren entscheidenden Rohstoff Lithiumchlorid zu importieren und damit wäre die gesamte Einrichtung in Gefahr geschlossen zu werden.“

Auch das von der Kommission erhoffte Recycling von Altbatterien stieße auf Probleme, dazu der Unternehmenssprecher:

„Das zukünftige Batterierecycling und die Herstellung von Kathoden würden die EU verlassen.“

Vor zwei Tagen erst hatte das EU-Parlament beschlossen, ab dem Jahr 2035 keine Verbrennungsmotoren in Europa mehr zu genehmigen. Nachdem die Stromversorgung wie die Stahlproduktion durch die Sanktionen gefährdet sind und die Ladeinfrastruktur erst geschaffen werden muss, könnte eine Einstufung von Lithium als gefährliche Chemikalie aber die gewünschte Umstellung auf Elektromobilität endgültig illusorisch machen.

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