Der neue "Achmat": Mannschaftstransporter mit eingebauter Kampferfahrung

Von Alexei Sakwasin und Jelisaweta Komarowa

Das Werk KAMAZ Remdiesel in Nabereschnyje Tschelny hat die Produktion des neuen geschützten Mannschaftstransportfahrzeugs (GMTF) Achmat hochgefahren, wie der Chefkonstrukteur des Unternehmens, Igor Sacharowitsch, mitteilte. Seinen Worten nach wurde bereits eine beträchtliche Anzahl dieser Fahrzeuge an die Streitkräfte der Russischen Föderation geliefert.

Das Fahrzeug hat eine Radformel von 6×6, und der Innenraum bietet zehn Soldaten Platz. Seine Besonderheit ist der Verzicht auf eine schwer zu fertigende tragende Karosserie, wie sie zum Beispiel bei ähnlichen Fahrzeugen der Taifun-Familie zu finden ist. Laut Remdiesel benötigt die Fertigung des Achmat nur ein Siebtel bis ein Zehntel der Zeit. Die Fachleute sind der Meinung, das neue GMTF sei dazu bestimmt, den Bedarf der Streitkräfte der Russischen Föderation an einer großen Anzahl einfacher, geräumiger und gleichzeitig gut geschützter Fahrzeuge zu decken.

Igor Sacharowitsch, Chefkonstrukteur der Aktiengesellschaft Remdiesel, teilte der Nachrichtenagentur TASS mit, die Produktion des neuen gepanzerten Fahrzeugs Achmat habe sich fast verfünffacht. Er betonte:

„Die Anzahl kann ich nicht nennen, doch die Fahrzeuge sind bereits im Einsatz. (…) Für uns sind das hohe Zahlen: Wir haben unsere Produktion fast verfünffacht. Diese Zahlen sind signifikant.“

Im Juli wurde das GMTF Achmat von Ramsan Kadyrow, dem Oberhaupt von Tschetschenien, anerkannt.

„Diese Panzerfahrzeuge sind unter Berücksichtigung der Wünsche und Erfahrungen unserer Soldaten entstanden, die an der Spezialoperation in der Ukraine teilgenommen haben. Die Technik ist von guter Qualität, leistungsstark und zuverlässig. Trotz seines schwerfälligen Aussehens ist Achmat ein wendiges Fahrzeug, das eine wichtige Funktion im Kampfeinsatz erfüllt – eine schnelle Fortbewegung unter städtischen Bedingungen bei maximaler Sicherheit für das Personal“, schrieb Kadyrow letzten Monat auf seinem Telegram-Kanal.

Ein Chassis der Serienproduktion

Das GMTF Achmat war Teil der Parade zum Tag des Sieges am 9. Mai in Grosny, und in der zweiten Augusthälfte wurde es auf der Internationalen Militärtechnischen Messe Armee-Expo 2022 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Abgesehen vom Truppentransport kann das Fahrzeug auch für sanitäre Zwecke eingesetzt werden, zum Beispiel für den Transport von Verwundeten. Aufgrund seiner Dimensionen kann der Achmat mit den Militärtransportflugzeugen Il-76 und An-124 sowie mit der Bahn verfrachtet werden.

Das Team von Remdiesel ließ bei der Entwicklung des Achmat die Erfahrungen der Spezialoperation einfließen. Das Fahrzeug wurde in nur 25 Tagen konzipiert. Die besonderen Merkmale dieses Fahrzeugs sind laut Sacharowitsch die einfache Handhabung, die hohe Schutzklasse und die einfache Serienfertigung.

Sacharowitsch sagte am Rande der Armee-Expo 2022 zu RIA Nowosti:

„Das Chassis wird serienmäßig hergestellt, um die Truppen möglichst schnell mit Schutzausrüstung auszustatten. (…) Entstanden ist ein Fahrzeug, das schnell produziert werden kann und eine sehr hohe Schutzklasse hat.“

Der Chefkonstrukteurs von Remdiesel betonte die sieben- bis zehnfache Zeiteinsparung bei der Fertigung des Achmat im Vergleich zu den gepanzerten Fahrzeugen der Taifun-Familie. Eine derart hohe Produktionsgeschwindigkeit wurde durch den Verzicht auf eine tragende (rahmenlose) Karosserie erreicht.

Unter anderem das gepanzerte Fahrzeug Taifun-WDW(WDW bezieht auf die russischen Luftlandetruppen) verfügt über einen solchen Wagenkasten mit einer Kapazität von sieben Personen. Dieses Fahrzeug ist auf einem KAMAZ-Fahrgestell aufgebaut und ebenfalls ein Erzeugnis von Remdiesel. Es ist für den Transport von Personal, Fracht und medizinischer Versorgung ausgelegt.

Die Vorteile des Taifun-WDW sind die hohe Schubleistung und dynamische Eigenschaften, die Manövrierfähigkeit und hohe Geländegängigkeit. Neben der tragenden Karosserie ist das Fahrzeug mit einer keramischen Panzerung und einer gepanzerten Kapsel zur Unterbringung der Besatzung ausgestattet.

Ferner betreiben die russischen Streitkräfte Taifun-Fahrzeuge auf den Plattformen KAMAZ-63969 und KAMAZ-53949 mit Radformeln von 6×6 und 4×4. Gemäß der Website von Rosoboronexport weisen die Fahrzeuge gute Kampf- und Leistungsmerkmale auf (Mobilität, Schutz, Kampfkraft, Design und Ergonomie).

Ein Taifun ist in der Lage, ohne Vorbereitung bis zu 1,5 Meter tiefe Furten zu durchqueren und Hänge mit einer Neigung von bis zu 30 Grad zu befahren. Die Dieselmotoren mit 350 bzw. 450 PS und das Automatikgetriebe ermöglichen Autobahngeschwindigkeiten von über 100 km/h und eine Reichweite von bis zu 1.000 Kilometer ohne Nachtanken, berichtet Rosoboronexport.

In einem Kommentar für RT bemerkte der Militärexperte Nikita Buranow, dass der Taifun in der Tat ein effektives Erzeugnis ist, und deutete an, dass der Achmat dieser Fahrzeugfamilie in Bezug auf die Leistung nahekommt.

Der Konstruktionsmerkmale wegen ist der Taifun jedoch schwierig zu produzieren. Durch die Spezialoperation ist gleichzeitig der Bedarf an gepanzerten Fahrzeugen in den russischen Streitkräften erheblich gestiegen.

Der Achmat ist die Antwort auf die große Nachfrage der russischen Armee nach gepanzerten Fahrzeugen. Sie müssen folgende Kriterien erfüllen: guten Schutz, eine hohe Transportkapazität von Soldaten in Ausrüstung und mit Bewaffnung und eine schnelle Massenproduktion unter Verwendung ausschließlich einheimischer Komponenten, so Buranow.

Dem Fachmann zufolge wählten die Remdiesel-Ingenieure ein einfaches, aber zuverlässiges Design und integrierten nur die notwendigste Elektronik in den Achmat, um die Truppen so schnell wie möglich mit neuen gepanzerten Fahrzeugen zu versorgen.

Buranow erläutert:

„Von einer spezifischen Bewertung des Achmat möchte ich nicht sprechen. Aus den verfügbaren Informationen lässt sich jedoch schließen, das Fahrzeug entspreche den Anforderungen des Militärs nach mehr Kapazität. Der Idee nach sollten sich zehn Soldaten in Uniform, mit Granatwerfern und Munition bequemer unterbringen lassen.“

Zur Durchführung von Kampfeinsätzen

Das System des Rahmengestells, das in den Achmat integriert ist, stellt eine Struktur dar, an der die Karosserie, der Motor und die Lenkeinheiten befestigt sind. Es ist einfacher herzustellen, kann aber weniger Nutzlast tragen als die tragende Karosserie, mit der ein Taifun ausgestattet ist.

Den Worten Buranows zufolge ermöglicht der Verzicht auf eine tragende Karosserie beim Achmat und einer Reihe anderer Armeefahrzeuge die Verwendung eines standardisierten Chassis mit schneller Montage verschiedener Aufbauten darauf.

„Sowohl die Kasten- als auch die Rahmengestellkonstruktion hat Vor- und Nachteile. Im Falle des GMTF Achmat erleichtert das Rahmengestell den Produktionsprozess erheblich. Der Achmat sollte dem Taifun in Bezug auf Minenschutz sowie Geschoss- und Splitterpanzerung nicht unterlegen sein, das ist wichtig“, fügte Buranow hinzu.

Der promovierte Militärwissenschaftler Sergei Suworow erklärte RT, dass die tragende Karosserie eine Gewichtsabnahme bewirkt. Dadurch kann das Fahrzeug mehr Last tragen.

„Oft wird der Gewinn beim Gewicht von den Entwicklern in einen erhöhten Schutz umgewandelt. Meiner Meinung nach ist der Taifun mit seiner tragenden Karosserie eine besser geschützte Plattform als der Achmat. Allerdings bin ich zuversichtlich, dass der Achmat die Kriterien zum Schutz des Lebens von Militärangehörigen erfüllt“, so Suworow.

Über eine Rahmengestellkonstruktion verfügt neben dem Achmat bekanntlich auch die gepanzerte Fahrzeugfamilie Tigr, die von der Wojenno-Promyschlennaja Kompanija GmbH entwickelt wurde und in den Streitkräften weit verbreitet ist. Zurzeit erhalten die russischen Truppen modernisierte Fahrzeuge dieses Typs. Die Verwendung erfolgt zu Aufklärungszwecken, bei Streifzügen und bei der Bekämpfung subversiver Aktivitäten.

„Die Wanne des Tigr-M in der Ausführung für Spezialeinheiten (ASN 233115) ist aus Stahlplatten geschweißt und an zehn Stellen über Gummipuffer am Rahmen befestigt. Das Fahrzeug kann dem Beschuss mit Kleinwaffen standhalten und bewahrt seine Mobilität selbst bei einer Detonation von 0,6 Kilogramm Sprengstoff unter den Rädern und dem Unterboden.

Die Panzerung von Mehrzweck- und Spezialfahrzeugen bietet Schutz für die Besatzung, die wichtigsten Bauteile und Aggregate unter Rundumbeschuss durch Stahlkern-Projektile der AKM-Sturmgewehre des Kalibers 7,62 Millimeter und der AK-74 des Kalibers 5,45 Millimeter, was ungefähr der ersten ballistischen Schutzstufe nach STANAG 4569 [Anm.: NATO-Standard für den Schutz gepanzerter Fahrzeuge] entspricht“, heißt es in den Unterlagen von Rosoboronexport.

Die Fahrzeugfamilie Tigr wird im Bereich der Luftverteidigung eingesetzt. Unter anderem werden die Fahrzeuge von Offizieren der Militärpolizei zur Eskorte von Konvois der russischen Armee eingesetzt. Die Beschaffung dieser Fahrzeuge läuft weiter: Das Ministerium für Verteidigung der Russischen Föderation hat auf der letzten Armee-Expo 2022 den nächsten Vertrag abgeschlossen.

Unter Berücksichtigung von Eigenheiten der Spezialoperation und der Konstruktionsmerkmale des Achmat geht Suworow davon aus, dass die Neuheit von Remdiesel über die fünfte Schutzklasse nach der nationalen Klassifikation und die zweite Stufe des ballistischen Schutzes nach STANAG 4569 verfügt.

„Sollten meine Einschätzungen richtig sein, so ist das kein schlechtes Ergebnis, wenn man die Rahmenkonstruktion der Achmat bedenkt. Ich glaube, man könnte in Zukunft das Schutzniveau dieses Fahrzeugs auf die 6. Klasse erhöhen [Anm.: Schutz nach der nationalen Klassifizierung]. Bedenkt man die Geländegängigkeit dieses GMTF, so liegt sie höchstwahrscheinlich auf dem gleichen Niveau wie die Fahrzeuge mit der KAMAZ-Plattform“, sagt Suworow.

Den Experten zufolge hat der Achmat aufgrund der Rahmenkonstruktion eine relativ geringe Nutzlast. Allerdings erlaubt das Fahrzeug die Montage diverser Ausrüstung und Waffensysteme auf dem Dach, darunter ein ferngesteuertes Modul namens Arbalet-DM, das bereits auf den modernisierten Tigr installiert wird.

Dieses Waffensystem besteht aus einem 12,7-Millimeter-Kord-Maschinengewehr, einer Aufnahme- und einer Wärmebildkamera. Die Sichtung beträgt 2,5 Kilometer, die Schussdistanz zwei Kilometer, der Munitionssatz 450 Schuss, und die Gesamtmasse aller Komponenten des Arbalet-DM beträgt 250 Kilogramm.

Übersetzt aus dem Russischen

Mehr zum Thema – Wie die US-Macht schwindet: Über Zirkon und ihre Geschwister



Source link