Großbritannien: In Sprachschulen werden chinesische Lehrer durch Personal aus Taiwan ersetzt

Weltweit gibt es derzeit mehrere hundert Konfuzius-Institute, die die Sprache und Kultur Chinas fördern sollen. Das erste wurde 2004 in Seoul in Südkorea eröffnet. Allein in Deutschland haben seitdem 19 Zentren ihre Türen für China-Begeisterte aufgemacht. Auch in Großbritannien wird Mandarin in 30 Zweigstellen der Organisation gelehrt. Doch nun wollen britische Politiker den Einfluss Pekings in diesen Bildungsinstituten auf der Insel verringern.

Laut einem Bericht der britischen Zeitung The Guardian soll eine Gruppe von Abgeordneten, die parteiübergreifend zusammengesetzt ist, Gespräche mit Taipeh führen, um von Peking unterstützte chinesische Sprachlehrer im Vereinigten Königreich durch Personal aus Taiwan zu ersetzen.

Die Konfuzius-Institute werden gemeinsam von der jeweiligen Universität im Vereinigten Königreich, ihrer chinesischen Partneruniversität sowie der in Peking ansässigen Chinesischen Internationalen Bildungsstiftung (Chinese International Education Foundation, CIEF) betrieben. Die Finanzierung des Projekts zwischen 2015 und 2024 wird demnach auf 27 Millionen Pfund (rund 31 Millionen US-Dollar) geschätzt. Dies geht aus Berechnungen der „China Research Group“ hervor, einer Gruppe konservativer britischer Abgeordneter, die sich mit der Frage beschäftigt, wie Großbritannien auf die aufsteigende Macht Chinas reagieren sollte.

Doch nun will London laut dem Guardian-Bericht diese Gelder in alternative Programme umleiten, darunter auch solche aus Taiwan. Zu der Gruppe von  Abgeordneten aller britischer Parteien, die nun Gespräche mit Taipeh über die Bereitstellung von Chinesisch-Lehrern führten, gehörte laut der Zeitung auch die prominente Tory-Abgeordnete Alicia Kearns, eine ehemalige Mitarbeiterin des Verteidigungsministeriums.

Noch 2014 lobte die damalige Bildungsministerin und die nun neue britische Premierministerin Liz Truss das Konfuzius-Institut. Damals sagte sie noch, das Projekt habe im Vereinigten Königreich „sehr große Fortschritte“ gemacht und werde „eine starke Infrastruktur für Mandarin“ im Lande schaffen.

Angesichts der jüngsten Abkühlung in den Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und China und der massiven Unterstützung Londons für die selbstverwaltete Insel Taiwan, die von den chinesischen Behörden als Teil ihres eigenen Territoriums betrachtet wird, ist das von Peking unterstützte Programm seitdem jedoch verstärkt in den Blickpunkt der Politik gerückt.

Kritiker hatten dem Konfuzius-Institut vorgeworfen, dass es im Unterricht an Meinungsfreiheit mangele, Pekings Agenda fördere und sogar für Spionagezwecke genutzt werde.

In einem jüngst erschienenen Bericht der britischen Tageszeitung Times hieß es, die neue Premierministerin Liz Truss plane, China als „akute Bedrohung“ für das Vereinigte Königreich zu benennen. Damit würde die Volksrepublik in die gleiche Kategorie wie Russland fallen. Zuvor hatte Truss bereits chinesische Tech-Giganten wie Huawei als Sicherheitsrisiko gebrandmarkt und gefordert, mehr Waffen nach Taipeh zu schicken.

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